Die Oberliga hat mich wieder. Nach 9 verpassten Spielen im Vorjahr bin ich wieder dabei. Und mit mir mein guter Freund und Studienwegbegleiter Maiki Richter. Der SV Ebersbach hat´s geschafft. Willkommen in der OBL. Nach einschlägigen Spielplanumgestaltungen müsste der Bierverein aus der Oberlausitz aber sowieso schon jedem bekannt sein.
Aber auch ein anderer, für mich neuer Sachsenklub spielt diese Saison in unserer Oberliga. SK König Plauen, bisher nur ein Punkt auf der Bundesligakarte, wird nun der Liga zeigen, welche Erfahrungen die Recken in den letzten Jahren gesammelt haben. Obwohl, so ganz NEU sind sie auch nicht. Mit der zweiten kreuzten wir mal die Klingen.
Ein letzter Gruß nach Halle, deren zweite sich wieder mal in der Landesliga meiner Heimat durchsetzte.
Erste Runde, was für ein Hammerlos! Der Zweitligaabsteiger lädt zum Auftaktmatch. Wenige Tage vor dem Spieltag gar ein Anruf und persönliches Interesse, dass wir auch ja den Weg fänden. Der Anruf – ein Glücksfall, wie sich später herausstellen sollte.
Auf jeden
Fall freute ich mich, durch direktes Hinkommen doch einiges an Weg,
und vielleicht sogar Zeit, sparen zu können. Aber wer sich zu
früh freut, …
Bei einer
reinen Routineabfrage der www.bahn.de-Seite
der erste Schock: 7:04 Uhr wurde mir als Abfahrt ausgegeben, obwohl
ich doch erst 10:00 Uhr da sein muss. Da hätte ich auch über
Magdeburg und mit der Mannschaft fahren können, dass wäre
nicht langsamer gewesen (, von der Strecke DD-MD abgesehen! Dafür
hätte ich Mutti gesehen.). Aber wer weiß es nicht:
Sachsen-Anhalt steht früher auf (Querverweis → Pokalbericht
von Flash)!! Und ich würde meine Wurzeln verleugnen, wenn ich
sagen würde, es wäre mir schwer gefallen, um 6 Uhr
aufzustehen.
Im Zug dann der erste Kontakt mit einem Schachspieler: Ein Mitreisender entpuppte sich als aktives Mitglied beim Micktener SV (Stadtteil Dresdens). Sein Schachwissen wusste gar mich zu bestürzen: Anand ist Weltmeister, Bobby Fischer konnte die Niederlage gegen Kasparov nie überwinden, und ähnliches! Auf meine Frage, ob er wisse, an wie vielen Punkten der Zug in Plauen hält, kam nur ein Schulterzucken: „Hält der Zug überhaupt in Plauen?“
ER hielt. Und nun flugs zum Spiellokal. Die Adresse steht im OBL-Heftchen. Hm. Nun habe ich als Mannschaftsleiter im Augenblick ca. 8 bis 10 solcher Hefte in meinem Zimmer in Dresden zu liegen, aber irgendwie hatte sich keines dieser Heftchen in meinen Rucksack verirrt. Was tun? Riker anrufen? Der hat sein Handy bestimmt schon ausgestellt. Meine Eltern? Sind vielleicht schon unterwegs. Einen Kumpel in Dresden aus dem Schlaf klingeln und ihn im Netz suchen lassen? Habe kein Handy. Aber da war ja noch DER Anruf: „Das Spiellokal ist in der Bahnhofstraße!“ Und die sollte zu finden sein, vom Bahnhof aus. Und das Haus? Blieb mir nur, Passanten zu befragen.
Schon beim
5. eine positive Antwort auf das Reizwort „Schachverein“.
„Meine Söhne, beide, spielen im Verein. Das ist unten am
Tunnel rechts in dem Haus.“ Nicht schlecht, aber noch nicht das
wahre. Der 10. kam mir mit seiner Frage zuvor:
„Hast
de mal 90 Cent für ein Frühstück?“
„Nimm
einen Euro. Kannst Du mir sagen, wo hier ein Schachverein
spielt?“
„Klar!
Ich bin selber im Verein!“
Jens
denkt: Juchhu!
„Klasse,
und wo ist euer Spiellokal?“
„Kann
ich Dir zeigen, lass uns morgen um 14:00 Uhr vor der Post
treffen!“
Jens:
Macht der Witze?
„Nee,
heute, jetzt(!), ist doch Punktspiel, also, wo spielt eure
erste?“
„Weiß
ich nicht!“
Ohne
Kommentar!
[Anmerkung der Redaktion:
Vermutlich derjenige, der mir zuvor begegnet ist und es da noch mit
der Strategie „Hast Du mal einen Moment Zeit?“ -
„Nein, habe ich nicht, ich muss jemanden abholen“ -
„Dauert aber nur ganz kurz“ - „Nein, keine Zeit!
Spät dran“ (mit Blick auf die Uhr - Wo bleibt Jens?)
erfolglos
versucht hatte. Da er aber bergauf ging und ich die Wahl zwischen
oberen und unteren Bahnhof hatte, bin ich erst bergab gegangen. Jens kam
natürlich vom oberen Bahnhof. Ceterum censeo:
Die Obdachlosen/Bettler/...-quote war in
der Plauener Bahnhofsstraße für Sonntag 10 Uhr doch sehr
hoch. Anscheinend steht zumindest
diese Bevölkerungsgruppe dort früh auf.]
Glücklicherweise tippte mir dann Robert O. auf die Schulter, um mich ins Spiellokal zu führen, vor dessen Tür sich der Dialog abspielte. Ich war sogar pünktlich. Nicht die Weuni-Viertelstunde, aber die bundestagtaugliche Rede des Schiris zur Begrüßung konnte ich als ganzes genießen.
Alles schon mal da gewesen.
Nach einer Stunde denke ich, dass ich doch ganz schön langsam spiele. Beim Rundgang zwischen den Tischen stellte ich aber fest, dass ich der zweitschnellste meiner Mannschaft war. Zumindest vom absoluten Betrag der verbrauchten Zeit. Höhepunkt wieder einmal Jewgeni! Nach 75 Minuten blieben im noch 55 Minuten. Im 8. Zug!
Nach schätzungsweise zwei Stunden war Dschenja dann fertig, 0, und mit ihm Robert und Pavel. Jeweils einen halben. Bei meiner Partie wellten die Initiative und meine Einschätzung auf und ab. Von, ich steh gut (5. Zug), über, warum habe ich so einen Quark gespielt (8. Zug), weiter mit, jetzt steh ich aber klar besser (ca. 13. Zug), zu, Scheibenkleister, ich komm nicht durch, vorläufiger Rückzug und Umgruppierung (ca. 18 Zug), und hoffen, nicht unterzugehen, da inzwischen die Zeit knapp war. Anscheinend spürte auch mein Gegner die Selbstzweifel meinerseits und wellte seinerseits los. Dadurch öffneten sich wie durch Geisterhand Linien, die ich selbst nie hätte öffnen können und schwupps mit 3 Minuten auf der Uhr konnte ich mit einem Abzugschach die Dame gewinnen. Danach noch die Zeit schaffen, und gut. Ausgleich, 2 zu 2. Puh.
Der Rest ist schnell erzählt. Die anderen vier Bretter schaffen es nicht, gewisse Vorteile, mal mehr, mal weniger deutlich umzusetzen. Da Susi gar den Kürzeren zieht: „Warum haben meine Gegner immer so viel Glück?“, verlieren wir 3,5 zu 4,5.
Fazit: Ich hab noch nie gegen einen Zweitbundesligaabsteiger mit der AEM I gepunktet. Das haben die Wichte ohne mich gegen DSC II im letzten Jahr geschafft. Aber mit mir, in diesem Jahr … Ich habe übrigens auch noch nie gegen Rochade I gewonnen (beachte: in der Oberliga, 3x 3,5 : 4,5 verloren)! Ich sag Euch was, Geschichte wiederholt sich.
Die Rückfahrt dauert anstatt 3 Stunden vier, da ich beim Schiri mitfuhr und der „nur noch“ eine Mail an den Staffelleiter schicken wollte. Leider stimmte etwas mit dem Netz des Hotels nicht. Als ich verzweifelt meinen Chauffeur suchte, fand ich ihn, mit Zwei-Finger-Technik zum vierten Mal die gleiche Mail an den Staffelleiter schreibend, noch immer im Hotel. Als die Mail persönlicher wurde (Atmosphäre im Spiellokal), begab ich mich wieder auf meinen Warteposten. Zu guter letzt zückte der Schiri das Telefon und wir fuhren los. Bis zum Stau. Dann eine Baustelle. Also Zug verpasst. Aber glücklicherweise kam es nicht zum GAU. Denn die Antwort meines Fahrers auf meine Frage: „ Fahren die Züge zwischen Chemnitz und Dresden eigentlich stündlich?“ war: „Ha. Das war einmal. Heutzutage kannst Du auch gleich zu Fuß gehen.“ Wie gesagt, glücklicherweise blieb mir dieses Horrorszenario erspart.
„Der
erste Sieg nach zwei Jahren für unsere erste!“
Mannschaftsleiter
Paul nach dem Spiel,
Aufbau
Elbe hilft, wo es kann!
„Sachsen-Anhalt
steht nur so wenig früher auf, weil noch Menschen wie Sven und
ich hier wohnen!“
Robert
O. über statistische Werbezahlen des Landes.
„place
of birth, eduction, family, … Das weiß ich aber
nicht mehr!“
Jens
beim Versuch, Jewgeni bei den Hausaufgaben zu helfen. HA war, aus dem
Buch „The
Great Gatsby“ die Daten des Haupthelden raus zu schreiben. Jens
las das Buch auf Russisch im letzten Jahr.
„Echt?“
Reaktion
Jewgenis, der dachte, Jens wollte ihm oben genannte Worte übersetzen.