Eigentlich habe ich darauf gehofft, dass mein Versprechen den letzten Bericht der Saison zu schreiben ins Vergessen gerät, aber Riker scheint mit der aktuellen Bestseller-Liste unzufrieden zu sein. Und so muss ich jetzt nach ereignisreichen letzten Wochen mich an ein weniger ereignisvolles Wochenende erinnern, was fast einen Monat her ist. Deswegen wird dieser Bericht wohl relativ kurz sein, aber ich habe ja nur versprochen etwas zu schreiben, und mich nicht zur Qualität geäußert.
Im Vorfeld gab es wohl leichte Schwierigkeiten bei der Wahl des
zweiten Fahrers neben Doc.
Als Nudel aus Dresden
Mc während des
Donnerstagstrainings anrief und sich erkundigte, ob
Flash fahren
könne, gab Mc die Frage natürlich weiter: "Flash, kannst du
fahren?". Darauf Flash: "Möglichst nicht", was in Dresden aber als
"Möglich is' es" ankam. Zwar wurde der Fehler im
Kommunikationsprozess sofort entdeckt und korrigiert, Flash musste
trotzdem fahren. Am nächsten Tag wurde mir dann mitgeteilt, dass
ich mich mit Doc um 11.20 am Kölner Platz. Da ich bereits "gute"
Erfahrungen mit der Pünktlichkeit Docs bezüglich der vereinbarten
Treffzeit gemacht habe, kam ich um 11.30, aber selbst das war noch
zu früh. Etwa 11.40 erschien Doc und wir fuhren zu
Michael nach
Schönebeck. Zu meinem Erstaunen machten wir noch einen kurzen
Boxenstop an der Uniklinik - Doc beruhigte mich aber und meinte, es
sei alles bei der Berechnung der Route eingeplant und wir werden
pünktlich sein.
Um 12.05 war unser Team dann komplett und wir nahmen den Kurs auf Chemnitz.
Beide Autos sind etwa zeitgleich und pünktlich in Chemnitz und
sehen, dass nur die Hälfte der Bretter da ist. Aufgrund dieser
organisatorischen Panne wird die Runde sogar um fünfzehn Minuten
verschoben. Relativ schnell nach Partiebeginn ist es klar, dass es
keine gewöhnliche Runde für uns wird. Denn souveräne Punkte kommen
von Michael und Doc, ein weiterer von Mc, während
Pavel einen halben
verschenkt und seine zweite Saisonniederlage kassiert. Somit holen wir
hinten 3/4. Vorne dagegen läuft Nudel früh in eine Zugwiederholung
rein, Roberts bessere Stellung endet nach der Zeitnotphase Remis. An
Flashs erste Niederlage nach fünf Siegen hintereinander kann ich mich
jetzt nicht wirklich erinnern; ich selbst gewinne nach einer
ungewöhnlich verlaufenden Eröffnung ein leicht besseres Endspiel, weil
mein Gegner die Gefahr zu spät erkennt. Damit wurde 5:3 erreicht und
der Wettkampf dabei an hinteren Brettern gewonnen.
Die Frage, ob wir nun erst nach Dresden fahren und da essen gehen,
oder direkt in der Gaststätte essen, wird demokratisch
entschieden. Wir bleiben in Chemnitz und setzen uns neben den
Coswigern. Man diskutiert über die Fußballergebnisse, die nächste
Saison; Mc macht sich ab und zu über Coswig lustig. Bei der Fahrt
nach Dresden fahre ich bei Doc, wir fahren mit einem Rückstand auf
Flash los und brauchen bedeutend länger als erwartet, um ihn
einzuholen. Die weitere Fahrt verbringen wir damit, die
Geschwindigkeit des anderen Autos rauszufinden und uns über die
neuen Rekorde zu amüsieren. ( "136! 137! 138!")
In Dresden führt Nudel uns zum "Hübner", wo wir den Cocktailabend
genießen und Doc endlich seinen Durst löscht, indem er seinen ersten
Drink in ein paar Sekunden erledigt.
Robert O., Flash und ich sind dann um 1.00 in Maiki's (und der seiner
Mitbewohner) Wohnung angekommen. Als in der ersten Etage an den Türen
keine Namen zu erkennen sind, haben wir schon Angst, dass wir alle
Türen probieren müssen, um das passende Schlüsselloch zu
finden. Glücklicherweise finden wir dann doch eine Tür an der man
Richter lesen kann und auch der Schlüssel passt. Nach einer kurzen
Besichtigung findet man auch ein Bett fast unter der Decke eines
Zimmers - wer guckt schon bei der Suche nach einem Bett nach oben?
Wer diesen Schlafplatz belegt ist sofort klar - der Pastor will
natürlich freiwillig in dieser Nacht näher an Gott schlafen. Schnell
findet man auch Trivial Pursuit, womit wir die nächsten zwei Stunden
vertreiben. Effi sichert sich den Sieg mit einer richtigen Antwort
über Gandhi dank www.g-geschichte.de/HA/2004/02_04.html.
Die einzige von mir notierte Spielsituation war, als ich Robert folgende Frage stellte: "Welcher südafrikanischer Schriftsteller schrieb in Gefangenschaft... (Effis Zwischenkommentar : "Oh, ist ja geschenkt") - Robert darauf natürlich: Nelson Mandela. Ich gucke die Lösung nach: "Ah, nee, ich lese lieber die Frage weiter...". Das half Robert aber nicht weiter, richtig wäre Breyten Breytenbach[1] gewesen.
Etwa gegen 4 Uhr morgens gehen wir schlafen, wobei ich Flash noch ein bisschen am Schlafen hindere, indem ich eine Diskussion über die Dokumentation "Wer hat Angst vor Google?" von ARTE starte. Nach etwa 3-4 Stunden Schlaf und Morgenprozeduren wird um 8.30 gefrühstückt. Bei mir gehört natürlich der Kaffee dazu. Die Kaffeemaschine solcher Art ist mir zwar neu, aber Maikis Bedienungsanleitung im Stil eines Comics hilft, und die schnelle Zubereitung übertrifft alle Erwartungen. Fast pünktlich fahren wir dann los, nachdem ich im letzten Moment noch mein Trinkflasche aus dem Kühlschrank (am Abend zuvor reingestellt) hole. Aber das war sicher kein Grund für unsere Verspätung, denn wäre Doc der Fahrer gewesen, hätte ich sicher noch eine halbe Stunde länger schlafen können. So musste ich aber zusehen, wie der Tacho auf der Autobahn konstant auf 110 blieb. Und das obwohl es klar war, dass wir nur eine leichte Verspätung haben werden und eine kleine Geschwindigkeitserhöhung vollkommen ausreicht. Das andere Auto war zwar deutlich später gestartet, kam aber vor uns an, Docs Absicht ein bisschen schneller zu fahren deutete seine Bemerkung zu Nudel: "Du kannst Dich entspannt zurücklegen, Du wirst eh in den Sessel gedrückt."
Als wir dann 10 Minuten nach Rundenbeginn im Spielsaal ankamen, hatten wir bereits ein weißes Brett abgegeben. Markus wollte eigentlich mit d4 aufschlagen, aber nachdem ihm unser Mannschaftsleiter mitteilte, sein Gegner spiele Französisch und habe 200 Punkte mehr, stand für ihn die Abtauschvariante fest. Eigentlich nahm ich an, das wäre unser einziges Kurzremis und wir würden auf Sieg spielen (gerade weil es um nichts mehr ging), aber dem war wohl nicht so. Aber zwei weitere Kurzremisen mit Weiß und Bauernverlust bei Doc entschieden relativ schnell den Wettkampf. Der Kampfgeist und die damit verbundene Eröffnungswahl wurden bei mir nicht belohnt, Pavel stellte irgendwann was ein. Michael verteidigte eine Isolanistellung und fand dann kein Mittel gegen die starken Springer. Die letzte Partie der Saison spielte, so wie es für einen richtigen Kapitän auch gehört, Nudel, der sich ins Dauerschach rettete. Die höchste Saisonniederlage war damit besiegelt. Aber wir können damit leben, immerhin haben wir ja damit nicht die Meisterschaft verloren.