Eine Sisyphos'sche Tragödie in 5 Akten

Und den Sisyphus sah ich, von schrecklicher Mühe gefoltert,
Einen schweren Marmor, mit großer Gewalt fortheben.
Angestemmt arbeitet' er stark mit Händen und Füssen,
Ihn von der Au aufwälzend zum Berge. Doch glaubt' er ihn jetzo
Auf den Gipfel zu drehen, da mit einmal stürzte die Last um;
Hurtig mit Donnergepolter entrollte der tückische Marmor.
(Aus der Odyssee (11. Gesang, 593-598), nach Johann Heinrich Voss.)

Vorbemerkung

           AEM-Coswig
1999/2000: 3,5:4,5
2000/2001:   5:3 (!)
2001/2002:   6:2 (!!)
2002/2003:   3:5
2003/2004: 3,5:4,5
2004/2005:   4:4
Angstgegner?
Wortart: Substantiv
Geschlecht: männlich
Flexion: der Angstgegner, des Angstgegners, dem Angstgegner, den Angstgegner, die Angstgegner, der Angstgegner, den Angstgegnern, die Angstgegner
Weibl. Form: Angstgegnerin

Doch beginnen wir nicht mit den Anfängen, sondern setzen mit unserer Geschichte in dem Moment ein, da sich einige der Akteure der Geschichte konspirativ einige Tage zuvor an dem Ort der Handlung begegneten.

Zueignung

Alle sagen der Kreml, der Kreml. Alle haben mir von ihm erzählt, aber selbst habe ich ihn noch nie gesehen. Wie viele Male schon ... habe ich Moskau durchquert ... aber den Kreml habe ich kein einziges Mal gesehen. So auch gestern wieder... Wenn ich den Kreml suche, lande ich unweigerlich am Kursker Bahnhof... Und ihr werdet jetzt natürlich fragen: Und weiter?
(Aus: "Moskau-Petuschki", Kapitel "Auf dem Weg zum Kursker Bahnhof" von Wenedikt Jerofejew)

In einem völlig überhitztem Zimmer irgendwo nahe den Eisenbahnschienen, Robert O., unruhig auf seinem Stuhl, Flash, Wagi und Super-Effi.
Auf den Brettern vor Ihnen zwei Stellungen: Eine "leichte" (Flash) und eine interessante. Später noch Endspiele. Alles sehr spannend, aber leider ohne Bezug zu unserer Geschichte. Die Statistik-Probleme von Wagi und der offene Heftordner von Super-Effi sollten erwähnt werden, auch wenn sie ebenfalls keine weitere Auswirkungen haben sollten.

Vorspiel 1: Ein spätes Telefonat

Es war Nacht. Robert O. korrigierte eine Ingenieur-Klausur und horchte auf den leichten Regen, der gegen das Fenster schlug. Er fragte sich, wann das Prasseln aufhören würde, so dass ihm nach dem kurzen Gang zur Straßenbahn und der Fahrt heimwärts war. Ein aufgeschlagenes Exemplar mit einem besonders seltsamen Lösungsversuch lag vor ihm, zu dem ihm nichts Anderes einfiel, als 0 Punkte zu notieren. Wieder einmal. Robert O. nahm die nächste Klausur und versuchte, dort die Lösung zu der ominösen Aufgabe 6 zu finden. Nach einigem Blättern und Kopfschütteln fand er sie. Als Robert O. eben begann, über den Sinn dieser Sätze und Formeln nachzudenken, läutete das Telefon. Zwei Tage später, als er die Ereignisse dieser Nacht rekonstruierte, erinnerte er sich, dass er auf die Uhr sah, feststellte, dass es kurz vor Mitternacht war, und sich fragte, wer ihn um diese Zeit anrufen mochte.
Sehr wahrscheinlich schlechte Nachrichten, dachte er, als er nach dem Abheben die Stimme von Jens Windelband alias Nudel vernahm. Jedoch fragte dieser nur seinerseits, ob es dieses Mal wieder in letzter Minute schlechte Nachrichten gäbe und wollte ferner wissen, ob Robert O. einen Schlüssel zur Hermann-Gieseler-Halle besäße, und daher am Sonntag in einer menschenleeren Gegend ein bestimmtes Gebäude aufsperren könnte, auf dass sich ein paar verschworene Gestalten in der Frühe dort treffen können. Kurze Zeit später legte Robert O. den Hörer auf, und versuchte kurz das Geschehen zu rekapitulieren. Robby alias Robert Schlichthaar wird wieder nicht an dem Treffen teilnehmen. Das bedeutet, dass er voraussichtlich auf Dr.Piotraschke angesetzt wird. Keine leichte Aufgabe, Teichgräber wäre ihm lieber gewesen, mit ihm kannte er sich aus, letztes Jahr hatte er seine Aktionen ohne Probleme stets kontrolliert. Während er sich wieder über die unleserliche Klausur beugte, hatte er die Sache mit dem Schlüssel fast wieder vergessen.

Vorspiel 2: Die Sache mit dem Schlüssel

"Is das ein Hundewetter!" ... Unter solchen und ähnlichen Ausrufungen schlug der ... Reisende das Schutzleder zurück... Wolfsschur und Pelzmütze hatten ihm Kopf und Leib geschützt, aber die Füße waren wie tot, und er stampfte hin und her, um wieder Leben ins Blut zu bringen.
(Aus: "Unterm Birnbaum", 5.Kapitel von Theodor Fontane)

Es ist Sonntag früh und das Wetter hat die Vorsilbe Hund. Es ist kalt und der Duschvorgang kann nicht die Müdigkeit aus den Knochen von Robert O. wegspülen. Seine Freundin räkelt sich derweil noch im Bett, als er sich an die Geschichte mit dem Schlüssel erinnert. Zum Glück war er dieses Mal rechtzeitig aufgestanden, was man nicht immer von ihm behaupten kann. Zwar wollte er noch etwas mehr von dem köstlichen neuen Müsli testen und auch seine Überlegungen in Bezug auf seinen Kontrahenten nochmals durchgehen, aber wenn er bei beiden etwas Abstriche machen würde, wäre er ohne Zweifel in der Lage, rechtzeitig beim vereinbarten Treffpunkt zu erscheinen. Nachdem er sich von seiner schläfrigen Freundin verabschiedet hat (über Details schweigt der Erzähler), macht er sich auf den Weg in die Kälte, um mit einer Tram, die noch nach dem Nachtfahrplan verkehrt, sich auf dem Weg in sein Büro zu machen, wo er den Schlüssel deponiert hat. Auf dem Weg dorthin versucht er Nudel anzurufen, um von einer freundlichen weiblichen Stimme leider zu erfahren, dass dieser sich bereits auf dem Weg zum Treffpunkt befände. Dabei wäre er so gerne mitgenommen worden! Im Büro ergreift er den Schlüssel und begibt sich auf den Weg zum Universitätsplatz, wo immer einige Taxen halten. Immer? Nun er muss feststellen, fast immer. Ein kurzer Blick auf die Uhr zeigt, dass es 9:28 Uhr ist und daher noch genügend Zeit, wenn denn bald ein Taxi auftauchen würde. Wenn. Bald.

I steh in der Költ´n und woat auf a Taxi, oba es kummt net.
Kummt net, kummt net
I woat auf des Brummen von am Mercedes Diesel, oba es brummt net
Brummt net, brummt net
("Taxi", auf: "DÖF" von DÖF)

An der Ampel am Ausgang des Kreisverkehrs hält ein Taxi, das sich offenbar auf dem Weg zum Taxistand befindet. Kurze Zeit später ist es da und, nachdem der Fahrgast umständlich seine Geldbörse aus der Tasche gekramt hat, bezahlt hat und wankend ausgestiegen ist, wendet sich Robert O. an den Fahrer. Ehe er seine Worte an ihn richten kann, hat der Fahrer ihm einige Worte entgegen geworfen. Er versteht nur Gesprächsfetzen, denen er entnimmt, dass der Fahrer bereits eine andere Order hat. Wohin er denn wolle? Zur Hermann-Gieseler-Halle. Blick auf die Uhr: Das schaffe er zeitlich nicht und er schließt krachend die Tür und braust davon. Robert O. steht wieder am Taxistand vor dem Theater. Kurze Zeit später sieht er das nächste Taxi in Richtung Taxistand fahren. Er blickt auf die Uhr und hebt den Arm, doch das Taxi fährt im letzten Augenblick nicht zum Taxistand. Hätte er sich in der Frühe noch rasieren sollen? War die Tasche auffällig ausgebeult? Wenigstens war es ja kein Rucksack und sein Teint war auch nicht der eines Arabers, sondern schlicht weiß.

Kurze Zeit später nähert sich ein ganzer Taxi-Transporter, hält und keucht dann langsam seinen Inhalt aus. Die Damen und Herren - einer gebrechlicher als der andere - verlassen jeweils an der Hand des Taxifahrers unter vorsichtigen Schritten langsam nacheinander den Transporter, ehe der Taxifahrer ein freundliches "Taxe?" an Robert O. richtet und diesem nach einem Nicken bescheidet, dass er erst mal an der Theaterkasse fragen muss, wann er die Alten aus Ihrer Vorstellung wieder abholen muss. (Wäre das ein Comic, so wäre an dieser Stelle eine Sprechblase mit wüsten Symbolen wie !#-><-#?!%!**!⊗√, aber das ist kein Comic). Blick auf die Uhr: Nun würde nur noch ein paradoxer Effekt der allgemeinen Relativitätstheorie Robert O. pünktlich eintreffen lassen. Die angestaute Wut hat sich nicht ganz gelegt, als der Taxifahrer tatsächlich zurückkehrt und das Taxi, dessen Motor die ganze Zeit weiterlief, wieder besteigt und mit Small Talk beginnt. In der nun vorhandenen Stichprobe aus Taxifahrern vom Umfang n=1 zeigt sich, dass diese die Seiten des Lokalsports nicht aufmerksam genug lesen. Von Magdeburger Schachvereinen hat er keine Ahnung und die Oberliga hat er nach der Regionalliga eingeordnet. Zumindest liest er also den Sportteil, denkt Robert O. und seufzt.

Ützwurst: Wo du wolle?
Osterwelle: Bringen Sie mich an einen einsamen Weiher, an dem ich den Enten beim Liebesspiel zusehen kann.
Ützwurst: Osterwelle?
Osterwelle: Hm.
Ützwurst: Alles in Ordnung?
Osterwelle: Naja.
Ützwurst: Du genomme falsche Tablette, häh?
(SWR3, Taxi Scharia: Der einsame Weiher)

Der Taxifahrer tut ansonsten sein Bestes, um unter der Einhaltung einiger Verkehrsregeln die Fahrtzeit zu minimieren. Am Treffpunkt angekommen zeigt es sich, dass um 9:48 Uhr einige Magdeburger Schachspieler den Coswigern Spielern beim Warten vor der Hermann-Gieseler-Halle Gesellschaft leisten. Schiedsrichter Walter Görgens alias Papa Görgens zog es klugerweise vor, im Auto zu warten, um die Extremitäten nicht einem Käteschock zu unterziehen. Einige Handschüttelproben zeigen Robert O. jedoch, dass die Coswiger Schachspieler noch nicht zu Eiszapfen erstarrt sind. Er schliesst eilig den Eingang auf und weist die Coswiger sogleich in die Feinheiten der Benutzung des Wasserkochers und des Cappuccino-Pulvers ein, das er als kostenlos deklariert, um wie er denkt, präventiv die Gemüter der Coswiger zu besänftigen. Diese haben jedoch offensichtlich noch eine Rechnung mit Papa Görgens offen, da sie mit lautstarkem Äußerungen dessen Weigerung quittierten, den Magdeburger Schachspielern eine Zeitstrafe aufzubrummen. Dabei war die Mannschaftsaufstellung pünktlich Papa Görgens ins Auto gegeben worden. Dass er dies akzeptiert, wollen Sie ihm nicht zugestehen. In der Eile verzichten die Magdeburger darauf, die digitalen Uhren auszupacken und belassen es bei den traditionellen Uhren. Robert O. bedauert das nicht.

Think I better knock, knock, knock on wood.
Think I better knock, knock, knock on wood.
("Knock on Wood" von Eddie Floyd, Coverversionen z.B. von David Bowie und Eric Clapton)
Weit draußen in den unerforschten Einöden eines total aus der Mode gekommenen Ausläufers des westlichen Spiralarms der Galaxis leuchtet unbeachtet eine kleine gelbe Sonne. Um sie kreist in einer Entfernung von ungefähr achtundneunzig Millionen Meilen ein absolut unbedeutender, kleiner blaugrüner Planet, dessen vom Affen stammende Bioformen so erstaunlich primitiv sind, daß sie Digitaluhren noch immer für eine unwahrscheinlich tolle Erfindung halten.
(Aus: "Per Anhalter durch die Galaxis" von Douglas Adams)

Der erste Akt: In unbekannte Gewässer

Ich wünschte sehr 
der Menge zu behagen,
Besonders weil sie lebt und leben läßt.
Die Pfosten sind, die Bretter aufgeschlagen,
Und jedermann erwartet sich ein Fest.
Sie sitzen schon mit hohen Augenbraunen
Gelassen da und möchten gern erstaunen.
Ich weiß, wie man den Geist des Volks versöhnt;
Doch so verlegen bin ich nie gewesen.
(Goethe: Faust, Vorspiel auf dem Theater)

Nachdem es trotz des verspäteten Aufsperrens erst 5 vor 10 ist, Nudels Spezialtransport für Super-Effi noch unterwegs ist und Coswiger Spieler die erste Runde am Wasserkocher initiieren, setzt Papa Görgens zu einer kurzen Rede an, indem er feststellt, dass die Mannschaftsaufstellungen pünktlich abgegeben wurde (Raunen und Gelächter einiger Coswiger) und die Paarungen verliest. Derweil trudeln auch die letzten Magdeburger Spieler ein. Robert O. denkt noch einmal an die letzte Saison und an seine Vorbereitung, doch nach dem pünktlichen Start um 10 Uhr mitteleuropäischer Winterzeit jammert er schon bald:

Habe nun, ach! Holländisches,
Französisches und Caro-Kann,
Und leider auch Königsindisch
Durchaus studiert, mit heißem Bemühn.
Da steh ich nun, ich armer Tor!
Und bin so klug als wie zuvor;
(frei nach Goethe: Faust, Der Tragödie erster Teil: Nacht)

Sein Gegner hat ihm auf 1.d4 g6 vorgesetzt. Was soll das? Bisher hat sein Gegner immer Holländisch gespielt, entweder mittels 1...e6 oder 1...f5. Was hat er vor? Auf alle Fälle erst mal f5 verhindern, denkt Robert O., spielt 2.e4 und muss nach 2...c6 wieder nachdenken. Normales Caro-Kann muss ja nun wirklich nicht sein. Daher muss noch der c-Bauer ins Zentrum hinein, selbst wenn ihm nicht klar ist, was er davon halten soll.

Straight off the boat, where to go?
Calling on in transit, calling on in transit
("Radio Free Europe" von R.E.M.)

Irgendwie mündet die Partie sehr schnell in ziemlich seltsame, unbekannte Gewässer, so dass Robert O. von den anderen Partien nicht viel mitbekommt, weil er von seiner eigenen so in Beschlag genommen wird, vor allem nachdem sein Gegner mit einer Unschuldsmiene auf d4 einen Bauern frißt. Das ist abgebrüht.

Nach kurzer Zeit ist er mit dem Partieverlauf sehr zufrieden. Er hat auf f7 eingeschlagen, greift offenbar an. Die Eröffnungsphase scheint gelungen zu sein, seine Figuren fliegen übers Brett. Von Verlegenheit ist bei seinem Gegner trotzdem keine Spur.

I congratulate myself on every successful takeoff, but not too enthusiastically because it's also part of my personal religion that the minute you grow overconfident and really relax about a flight, the plane crashes instantly. Constant vigilance, that's my motto.
(Aus: "Fear of Flying" von Erica Jong)

Der zweite Akt: Die allgemeine Gefechtslage zu Beginn

Effi mit Schwarz an Brett eins hat es mit einem geschlossenem Sizilianer zu tun. Wie letztes Jahr. Flash hat im 5.Zug bereits wieder die normalen Pfade verlassen und nebenbei einen Bauern geopfert, während Nudel an Brett 3 wieder einmal die Se4-Variante im klassischen Franzosen wählt. Pavel hat mit Schwarz es mit irgendeinem Reti-System zu tun, Susi spielt gegen Skandinavisch. Sven Quist alias Doc spielt gegen einen c3-Sizilianer und Micha G. hat die glohrreiche Idee, ausgerechnet gegen einen Pöhnisch den Orang-Utan alias 1.b4 auszupacken. Er wird mit keinerlei Eröffnungsvorteil belohnt. Robert O. hat auf dem Weg zur Toilette eine Unterredung mit dem Coswiger Teichgräber über den kostenlosen Cappuccino ("Bei uns machen die ein Heidengeld damit!"). Nachdem sein Gegner einige Zeit in der Eröffnung grübelt, ist er, an seinem Platz wieder angekommen, in der Versuchung, ein kleines Nickerchen zu halten, besinnt sich dann allerdings.

Sleeping is giving in, no matter what the time is.
Sleeping is giving in, so lift those heavy eyelids.
("Rebellion (Lies)", auf: "Funeral" von The Arcade Fire)

Zwischenspiel: Am Wasserkocher

"Oh, 'tanstaafl'. Means 'There ain't no such thing as a free lunch.' And isn't," I added, pointing to a FREE LUNCH sign across room, "or these drinks would cost half as much. Was reminding her that anything free costs twice as much in the long run or turns out worthless."
Manuel, in: "The Moon is a Harsh Mistress" von Robert A. Heinlein

Die Coswiger kochen weiterhin fleißig Wasser und nutzen das Cappuccino-Pulver. Einige äußern sich jedoch abfällig über den geringen Kaffee- und Koffeingehalt des Pulvers und erhöhen deshalb die Dosis.

Der dritte Akt: Gescheiterte Friedensverhandlungen

Schach ist die komplizierteste Vergeudung menschlicher Intelligenz, die sich außerhalb einer Werbeagentur nur finden läßt.
(Privatdetektiv Philipp Marlowe, in: "Der lange Abschied" von Raymond Chandler)

Micha Görgens bekommt dann ein Friedensangebot. Nach einem kurzen Dialog mit Nudel lehnt er ab. Und bekommt wenig später wieder ein Angebot. Robert O. denkt daran, dass er Micha die Formulare hätte ratifizieren lassen, sagt aber nichts. Er erinnert sich, welch schlechtes Gewissen Nudel nach dem letzten Kampf gegen Halle angesichts der Nichtspieltaktik an den hinteren Brettern hatte und läßt ihn gewähren. Die anderen Stellungen lassen sich zum Teil schlecht einschätzen (Flash, Doc), sind zum Teil vorteilhaft (Pavel, Robert O., auch Effi?), zum Teil wohl etwas schlechter (Susi, Nudel). Auffällig ist wieder der generell hohe Zeitverbrauch.

The fundamental things apply
As time goes by
(Herman Hupfeld)

Der vierte Akt: Die Ereignisse überschlagen sich

Aber es gibt noch einen anderen Grund, welcher den kriegerischen Akt zum Stehen bringen kann, nämlich die unvollkommene Einsicht des Falles. Jeder Feldherr übersieht nur seine eigene Lage genau, die des Gegners nur nach ungewissen Nachrichten; er kann sich also in seinem Urteil darüber irren und infolge dieses Irrtums glauben, das Handeln sei am Gegner, wenn es eigentlich an ihm ist.
("Vom Kriege", Erstes Buch, erstes Kapitel Abschnitt 18, von Carl von Clausewitz)

Innerhalb kurzer Zeit verlieren Effi (Qualleverlust) und Micha Görgens. Beides sehr unnötig. Robert O. grübelt wie sein Gegner lange über den richtigen Weg in der seltsamen Stellung nach und hat das Gefühl, dass Fritz VIII. ihm die Partie nachher um die Ohren hauen wird.

I know there's an answer
I know now but I have to find it by myself
("I Know There's An Answer", aus: "Pet Sounds", Beach Boys)

Robert O. zeigt schließlich unvollkommene Einsicht in seine Stellung und verschenkt großen Stellungsvorteil, die Stellung bleibt seltsam. Flash hat nach den Verwicklungen kleinen Stellungsnachteil mit Dame gegen Turm, Springer und 2 Bauern. Um ihn muss man sich trotzdem keine großen Sorgen machen, mehr als remis sollte es aber nicht werden. Nudel kämpft derweil in einem Doppelturmendspiel mit Minusbauern. Er hatte zuvor eine interessante Möglichkeit ausgelassen, dem Gegner Sand in dessen Getriebe zu streuen. Pavel steht nachwievor sehr gut, und bei Doc zeichnet sich ab, dass er den weißen Angriff am Königsflügel abwehren kann und mit seinem Angriff Vorteil erringen sollte. Insgesamt aber bedenklich. Kurze Zeit später kann Papa Görgens seine Vorbereitungen zum Mitschreiben bei der Partie von Robert O. einstellen, da Schwarz Zugwiederholung durch Dauerschach forcierte. Robert O. fällt angesichts des Partieverlaufs und der Varianten beim Analysieren der schlechte Witz mit dem Blinker (Fahrtrichtungsanzeige) ein, den er vor kurzem sogar auf Englisch gelesen hat.

Boudreaux and Thibodeaux were going fishing. Boudreaux wanted to check the boat trailer lights. So he told Thibodeaux to go in the back and check the lights. Thibodeaux said press the brakes, both lights came on and he said, "It works". Boudreaux put on the right signal and Thibodeaux said, "It works, it don't, it works, it don't, it works, it don't".

In seinem Ohr erklingt ein Beat und er hat das schlechte Gefühl, seine Stellung gründlich versaut zu haben. Schon während der Partie hatte er das Gefühl, dass Nudel und er die Partien hätten tauschen sollen.

Mr. Messed up I should have known ya
Yes you guessed it oh la its over.
The time was right.
The vibe was right.
("Messed Up", auf "Floetrics" von Floetry)

Der fünfte Akt: Die Niederlage

Mitten in der Schlacht kann man nicht nach Hause gehen
Auch wenn du müde bist, so einfach lässt man dich nicht ziehen
("Der letzte Sieg", auf der Single "Walkampf", Die Toten Hosen)

Kurze Zeit später erreicht Doc ebenfalls nur ein Remis, nachdem er nicht ein aussichtsreiches Endspiel mit Mehrbauern, sondern lieber eines mit Minusbauern haben wollte. Pavel gewinnt eine saubere Partie, auch wenn man das Gefühl haben konnte, dass die finale Kombination gar nicht geplant war. Er ist so schnell verschwunden, dass Robert O. es gar nicht mitbekommt. Derweil versuchen die Kiebitze beim Analysieren der Partie Robert O.-Piotraschke Chaos zur Klärung der komplizierten Varianten beizutragen und offenbaren, dass sie die Stellung nicht gut genug kennen. Der jüngere Pönisch kann nicht verstehen, warum Doc zusammen mit Weuni und Robert O. nochmal seine Partie analysiert. Die Bierflaschen kreisen bereits bei den Coswigern. Beim Stande von 2:3 kämpfen noch Flash (wird remis), Nudel (das Turmendspiel mit Minusbauern sollte theoretisch verloren sein, allerdings praktische Remischancen) und Susi (noch einiges drin in der Stellung, steht freilich weder besser noch schlechter). Nachdem Flash und Nudel remis haben, spielt beim Stande von 3:4 nur noch Susi. Remis muss sie bei dem Spielstand ablehnen. Leider lässt sie eine taktische Chance aus, eine sehr vorteilhafte Stellung zu erreichen, und muss kurze Zeit später nach einem Fehler mit nur noch sehr wenig Zeit auf der Uhr die Waffen strecken. Der ältere Pönisch schimpft noch ("Da müsst ihr was unternehmen! Das kann so nicht weitergehen!") über den Schiedsrichter (war irgendwas?), ehe sich die Coswiger verabschieden. Die noch Verbliebenen (Effi, Flash, Nudel, Robert O., Doc, Susi und Zuschauer Weuni, dessen Verpflichtung Nudel trotz Freigangs nicht gelang, weil er es gar nicht erst versuchte) blasen noch etwas Trübsal und gehen wieder hinaus in die dunkle und kalte Jahreszeit.

It makes you feel so bad
It makes your heart feel sad
It makes your days go wrong
It makes your nights so long
("Here Today", aus: "Pet Sounds" von Beach Boys)
We're on the one road
Maybe the wrong road
It's the road to fuck knows where
We're on the one road
Maybe the wrong road
But we're together now so I don't care
("Loyalty Song", aus: "Down In Albion" von Babyshambles)

Ein Nachwort

Statt eines Nachwortes:
What's my view,
well how am I supposed to know
write to review,
well how objective can I be?
("Apply Some Pressure", aus: "A Certain Trigger" von Maximo Park)

Meiner Chronistenpflicht ist Genüge getan. Ein kleines Fazit der bisherigen Saison zum Jahresende noch: 4:4 Punkte gegen die bisherigen Gegner sind so schlecht nicht. Alles im Soll. Auf ein Neues im neuen Jahr.

candleFrohe Weihnachten und einen guten Rutsch! candle

Sprüche

„Die Partien interessieren doch eh keinen!“
Robert O., wie er wieder einmal versucht, jemanden, der sich mit dem Argument drückt, er habe die Partien der anderen nicht so richtig gesehen, davon zu überzeugen, einen Bericht zu schreiben. Dieses Mal erfolglos.

Weuni: Ausgleich?! Das ist wohl Roberts Lieblingswort. Die Stellung kann man kämpfen.
Kurze Zeit später hat Weiß bei der Analyse überzogen.
Weuni: Sagte ich doch, dass die Stellung kein Ausgleich ist.
Weuni über eine Stellungseinschätzung von Robert O. bei der Analyse von Docs Partie, ob vorher oder später der Spruch
Im meiner Liga...
fiel, ist nicht mehr sicher festzustellen, hingegen zu vermuten.

Mc: Punktezählen
Revolutionäre Methode beim Donnerstagstraining zur Klärung der Lage in Stellungen mit Turm gegen zwei Leichtfiguren

Piotraschke: Die schwarze Stellung hat ungeahnte Ressourcen...
Klawa: Ach was, Du standest völlig kaputt!
Einigkeit bei der Analyse der Partie Robert O.-Piotraschke


Die Analyse:

Robert O.-Piotraschke

Bericht der Coswiger (inkl. Susis und Michas Partie)
Flashs Partie (unten) auf den Seiten der SG 1871 Löberitz
Alle Einzelergebnisse der 4.Runde


© 2005, Robert O. (Autor & Verleger) auf den Seiten von AE Magdeburg
Last modified: Mon May 1 05:13:51 2006
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