Erfahrungen sammeln in der Oberliga

Das hat man nun davon, alle "Großen" machen sich einen schönen Tag, nutzen das Gastgeschenk der Gäste aus Ebersbach und die "Kleinen" müssen arbeiten.

Da erhielt ich doch vom Mannschaftsleiter der ersten Mannschaft die etwas verwunderliche Aufgabe für ihn einzuspringen und seine Quote in der Mannschaft nicht unbedingt zu verderben.
Gar nicht so einfach, denn er hatte bis dahin mehr als 50% gewonnen. Also, frischen Mutes, den Kopf hoch (aber nicht die Nase) und auf in den Kampf.

Ich, als einziger Spieler, der keine vierstellige 2 zu bieten hat [Damen ausgenommen], konnte ja nur gewinnen - zumindest an Erfahrung.

So zog ich denn am Samstag in die "heiligen" Oberliga-Hallen der Jugendherberge Magdeburg.

Doch was war das - keiner da?
So ist das also in der Oberliga -
erst kommen die Schiedsrichter,
dann die Gegner,
etwas später die eigene Mannschaft, der Verantwortliche für den Schlüssel
und der ausgeplante Mannschaftsleiter (aber nur zur Begrüßung).

Markus war ein wenig genervt, hatte noch viel zu organisieren, denn 16 Uhren mit je 4 Batterien zu versehen, ist eine schwierige Aufgabe
(besonders, wenn die neuen Batterien nicht ausreichen.
Ist wohl eine Berechnung mit mehreren Unbekannten,
die ich erst im nächsten Schuljahr behandele!)
Zum Glück war ja noch der Wolmirstedter Fanblock dabei,
so konnte das Problem noch vor Spielbeginn gelöst werden.

Dann hat mir Pavel gezeigt, wie man die Gegner auch verwirren kann.
Er kam "unwesentlich" später und ist wahrscheinlich ein Verfechter des Mottos:

"Wer später kommt, darf eher gehen!"

Etwas seltsam kam es mir trotzdem vor.

Er kam, sah
und
verlor als Erster.

So war das, glaube ich, nicht geplant. Aber ich kann mich da ja auch täuschen.

Unser aller Markus erzählte bei der Bezirksmeisterschaft der Jugend noch, wie sehr er sich auf die Partie mit Felix Graf freue, und dass er meinetwegen auf diese tolle Partie verzichten würde. Nun hatte er Felix Graf als Gegner und war doch nicht glücklich anzusehen. Das verstehe wer will, ich nicht!

Dabei hätte ich Trübsal blasen müssen!

Meine Vorbereitung auf Felix Graf verlief im Sande,
denn Dr. Dirk Jordan wollte nicht Französisch spielen.
Er hatte ja gerade mal 396 DWZ-Punkte mehr.

Aber was sagt die DWZ schon aus?

MOTIVATION IST ALLES!

So musste ich mich an die Aufgabe des Mannschaftsleiters halten und mich auf das eigene Brett konzentrieren.
Wer also Angaben zu den anderen Partien haben möchte, sollte sich vertrauensvoll an die eingesetzten Spieler wenden.

Da saß ich nun, ich armer Tor,
sah Dr. Jordan und fragte mich:
"Was hat er vor?"

Zum Glück hat Gordon mir vor etwa zwei Wochen etwas in Richtung
Caro-Kann gezeigt, aber mein Gegner wollte sich auch nicht an die
mir bekannte Theorie halten
(oder hatte ich da wieder meine alte Theorie-Schwäche?).
So musste ich doch wirklich schon nach etwa sechs Zügen selber denken.
Das ist also Oberliga?!

Bei der Partie wusste ich, dass mein Gegner einen Plan hatte,
aber ich ahnte nicht, welchen er verfolgte.

Im Mittelspiel verlor ich einen wichtigen Bauern, der mich zum Ende in eine leicht schlechtere Stellung brachte. Also Denken an die Quote und auf
in Richtung remis.

Kurz vor 20.00 Uhr füllte sich das Spiellokal wieder.
Mein Gegner hatte bereits die Grenze zum "Nicht-mehr-Schreiben-müssen" überschritten und ich schrieb noch fleißig mit.
Da kam mir die Zahl der Züge ohne Bauernbewegung doch ein wenig hoch vor und die "50-Züge-Bauern-Regel" in den Sinn.

Da gibt es doch Leute (Trainer),
die einem einfach den Stift unter den Fingern wegnehmen wollen,
obwohl man den zum Nachweisen dieser angegebenen "50 Züge" benötigt.
Und das noch in der eigenen Bedenkzeit. Das sind Oberliga-Manieren!

Da gab es erst mal einen kleinen Hinweis auf die Besitzverhältnisse des Stiftes und dann ein wenig später

eine Remis-Reklamation!

Ein Raunen ging durch das Spiellokal.

"Scheibenkleister!"

Mein Gegner hat wohl während des Stift-Disputes doch noch einen Bauern gezogen, den ich übersehen habe.

Ups - und was kommt jetzt? -
Eine 2-Minuten Zeitstrafe für mich bzw. Belohnung für Dr. D. Jordan.

Der Schiedsrichter war so aufgeregt,
dass ihm das Stellen der elektronischen Uhr nicht so ganz gelingen wollte.
Aber "Mr. Olympia 2008" ist ein guter Mensch.
Er sprang hilfreich ein und stellte die Uhr.
Nun war die Partie zeitlich wieder ausgeglichen.
Jeder hatte noch etwa drei Minuten.
Da mein Gegner kein Remis wollte, blieb mir nur
die offene Kampfansage um die Quote von Jens nicht zu verderben.

Dr. Jordan war wohl über diesen unverhofften Gewinn an Bedenkzeit so erfreut, dass er mir nach einer Springergabel seinen doch bis dahin so lästigen Läufer überließ und mein letztes Bäuerlein auf seine Seite laufen ließ.
Meiner nun errungen Dame wollte er nicht mehr gegenübertreten und
gab mir somit den ganzen Punkt.

Oberliga ist doch einfach seltsam.
Da sprang doch der Markus wie angestochen durch das Spiellokal und sah aus, als wollte er die ganze Welt umarmen.
Die Dresdener Oberliga-Jugend und mein Wolmirstedter Fanblock sahen mich seltsam an, grinsten und schüttelten mit dem Kopf.
Dabei habe ich doch bloß gewonnen.

Meine Mum teilte mir dann erst mal mit, was dieser ganze Punkt bedeutete:

Also Jens, ich habe deine Quote (70%) nicht verdorben. Die negative Veränderung der Quote am Sonntag war dein Werk!

Florian B.


Alle Einzelergebnisse der 6.Runde


© 2006, Florian B. (Autor) & Robert O. (Verleger) auf den Seiten von AE Magdeburg
Last modified: Mon May 1 05:13:14 2006
Valid XHTML 1.0
Berichte: RSS Feed