AEMAEM Mannschaftsberichte - Saison 2006/07 (5)

Vertretungsstunden

Der Weg zum Erfolg ist mit fremden Misserfolgen gepflastert.
Zarko Petan

Donnerstagstraining: Lockende Versuchung

I'll Try Anything Once
The Strokes (Demo Version von You Only Live Once)

Zwar ist dank Musti die Coach-Philosophie "Wer F4 sagt, muss auch H4 sagen!" bekannt, wir (vor allem Flash und meine Wenigkeit, Effi wohl weniger) jedoch wollten Nudel-Ersatz Weuni "nur" zu h4 (Idee Flash) im 4.Zug überreden, eine SOS-Empfehlung, die wir schon einmal ausführlich im Donnerstagstraining untersucht hatten. Grünfeld-Spieler aufgemerkt! In meiner Datenbank ist das der erfolgreichste weiße vierte Zug gegen Eure "Verteidigung". Eigentlich sollte man glauben, dass Weuni von solch einem Zug schnell begeistert wäre, aber Pustekuchen! Irgendwie hatte vor allem Flash die besten Argumente, selbst wenn nicht alle Varianten mit entscheidendem Vorteil endeten. Und Flori war vor seiner Donnerstagspremiere von Flash schon so präperiert worden, dass seine Vorbereitung nur eine Wiederholungsstunde war.

Die Stunde der Wahrheit

Discipline? I don't know the meaning of the word.
Liam Gallagher zugeschrieben

Nachdem Nudel die Aufstellung aus dem ferner Dresden organisiert hatte und für Robby und Doc mit Mc und Flori meine weiteren Wünsche organisiert hatte, konnte ich um 9:30 Uhr in der HGH schon Weuni begrüßen, der natürlich um diese Zeit noch seine dritte Mannschaft gegen Ströbeck betreute. Weuni konnte es nicht fassen, dass ich schon um 9:30 Uhr da war und erzählte jedem Neuankömmling diese unglaubliche Begebenheit. Da unsere Gäste aus Gera ebenfalls schon da waren, habe ich aus Geheimhaltungsgründen erstmal darauf verzichtet, Brett 3 zu besetzen und erstmal nach dem Rechten gesehen: Toilettenpapier da? Wasserkocher aufgefüllt? ... Und dann viel zu früh um 9:40 Uhr die Mannschaftsaufstellung bei Papa Görgens abgegeben. Die Mannschaft war fast schon komplett, nur Effi und Pavel kamen nach 9:45 Uhr, indes noch vor 10 Uhr. Perfekt!
Ich habe dann nur noch meinen Gegner gefragt, ob unter seinen Mannschaftskollegen Kaffee-Trinker wären, um sie eventuell in die Geheimnisse des Wasserkochens einzuführen, aber eine Absage erhalten. Umso besser: Keine Kaffee-Trinker, keine Beschwerden über den Koffeingehalt des Pulvers.
Und rechtzeitig angefangen, um rechtzeitig vor dem Finale fertig zu sein.

Alles nach Plan

Schach und Boxen haben viel Ähnlichkeit, denn bei beiden Sportarten kommt es auf die richtige Strategie an.
Vitali Klitschko - zu "Ehren" seines angekündigten Comebacks ausgegraben

Die empfohlene Strategie unseres MLs konnten wir erfolgreich umsetzen. Als erstes bekam Flori ein Remisangebot, das angenommen wurde, obwohl Weuni meinte, dass Drachen auszuspielen wäre. Das wäre so ziemlich die einzige Eröffnung, die ich gegen Jungspunde definitiv nicht spielen würde. Danach war Pavel an der Reihe. Er hatte Weiß und tat damit, was er am besten kann: Er nahm jedes Leben aus der Stellung, so dass nur ein ausgeglichenes Turmendspiel auf dem Brett war. Und dann bekam Susi ein Remisangebot, nachdem ihr taktisches Remisangebot in der Eröffnung, zu dem sie Weuni überzeugte, erst - wie geplant - abgelehnt wurde. Nach Rücksprache - "Wenn Du weiterspielen willst, spiel weiter!" - hat sie es abgelehnt, sie stand jedenfalls etwas besser. Etwas außer Plan war dann das Remis bei Mc, dem ich entgegnete: "Ich zwinge dich nicht weiter zu spielen." Vielleicht sollte ich in Zukunft einfach nur "Annehmen" oder "Ablehnen" sagen, Mc tat jedenfalls, was ich im Sinn hatte: Er nahm an. Und Weuni als Nebenmann war nach seinem Eröffnungsschocker mit seinem Mehrbauern, den er bereits in der Eröffnung erobert hatte, schon kurz vor der sicheren Verwertung.

Man lebt nur zweimal

This organization does not tolerate failure.
Ernst Stavro Blofeld, Nr. Eins von SPECTRE (aus der James Bond-Serie von Ian Fleming).

Wie der gleichnamige Bond-Film von der schwächeren Sorte war allerdings inzwischen meine Stellung. Ich hatte meinen Gegner nach langweiligem Eröffnungsbeginn durch eine ambitionierte Zugfolge beginnend im 11.Zug zu langem Nachdenken gezwungen. Wenn ich allerdings noch die zugehörigen Partien von Jepischin und Waganjan in der Datenbank genauer studiert hätte, und mich nicht wieder nur etwas mehr als eine halbe Stunde vorbereitet hätte, dann hätte ich vielleicht gewußt, wie man das dann weiterspielt.

Puschendorf nach 30.Zug
Puschendorf-Offinger nach 29...Te7-e8
Jovanic-Kos, Bled 2000, nach 29...Ta7-f7
Jovanic-Kos, Bled 2000, nach 29...Ta7-f7

So verpasste ich nach der weißen Neuerung im 15.Zug erst Vorteil und dann langsam aber sicher Ausgleich. Nachdem ich im 27.Zug dann realisierte, dass meine Stellung schlecht ist, habe ich zwischendurch Remis geboten, weil Weiß nur noch sehr wenig Zeit hatte. Nach dem Ablehnen meines Gegners habe ich einiges von meinem Zeitvorsprung investiert und dabei trotzdem in den nächsten drei Zügen die Stellung weiter ruiniert. Allerdings hatte Weiß dann im 30.Zug nur noch 2 Minuten auf der Uhr gegen meine 6 Minuten und das war der einzige Zeitpunkt, an dem er einen eindeutigen Todschläger (30.Th4!) hatte. Ich saß da und dachte mir, wie ich dann am besten eine Figur "opfere", um noch größtmögliche Unklarheit zu stiften. Ferner habe ich daran gedacht, dass er zum Glück nicht bei unserem Donnerstagstraining war, sonst würde er das Motiv - überlasteter Läufer hat keine Felder - kennen, siehe das Partiefragment Jovanic-Kos, Bled 2000. Und tatsächlich durfte ich weiterleben. In den nächsten Zügen, die weder ich noch mein Gegner mitschrieben, wechselte die Stellung mehrmals von weißem Vorteil zu Ausgleich, ehe im 41.Zug das Pendel gar zu schwarzem Vorteil umschlug. Und weil wir beide uns nicht sicher waren, ob es schon reicht, kam noch ein Zugpaar hinzu, und die weiße Stellung war verloren. Ich stand frohgemut auf, während der arme Puschendorf die Trümmer seiner einstmals überragenden Stellung betrachtete.

Punkteeinsammeln

I pick things up
I am a collector
And things, well things, they tend to accumulate
"The Collector" von Nine Inch Nails vom Album "With Teeth" (2005)

Derweil war einiges passiert. Zuerst hatte Susi auf Zeit gewonnen, weil Kastner in der inzwischen für ihn etwas besseren Stellung mit 2 Minuten auf der Uhr "einschlief" und auf Zeit verlor.
Effi hatte inzwischen ebenfalls die Partie gedreht. Nach der Eröffnung war er noch tot, aber auch er durfte weiterleben. Bei der Materialverteilung von Läuferpaar und Springer (natürlich Effi) gegen zwei Türme und zwei vereinzelte Freibauern (Gerhardt) stand er wohl schon mindestens ausgeglichen und kurz vor der Zeitkontrolle dann mit zwei Leichtfiguren gegen Turm auf Gewinn. Weuni konnte man zwischendurch ebenfalls gratulieren und hierauf Effi.
Puschendorf machte mir anschließend mit dem 43.Zug das Leben ein wenig einfacher, danach sah ich keine weiße Rettung mehr. Der 44.Zug hingegen beendete die Partie sofort.
Damit blieb nur noch Flash übrig, der vor der Zeitnot etwas wackelte, nachdem er meines Erachtens nach der Eröffnung längere Zeit Vorteil gehabt hatte. Ich muss allerdings zugeben, dass ich von der Partie meines Nebenmannes am wenigsten mitbekommen habe. Nachdem ich am Donnerstag eher von der slawischen Abtauschvariante abgeraten habe, brachte Flash 1.c4 aufs Brett und die Stellung gefiel mir bald recht gut. Irgendwie war es anscheinend in Zeitnot mal ein Bauer weniger und dann eine Figur gegen 2 Bauern mehr. Die Verwertung der Mehrfigur sah souverän aus und so war ein unglaubliches 6,5:1,5 zustande gekommen. Ich habe etwas überlegen müssen, allein gegen Halle II haben wir letztes Jahr ebenfalls so hoch gewonnen, ansonsten gab es in der Oberliga da nur mal einen Sieg, bei dem alle außer Nudel gewannen. Halle II ist letzte Saison abgestiegen und einige Liebschwitzerer haben sich mit dem Fazit verabschiedet, dass es sie dieses Jahr wohl erwischen wird. Ich wäre mir da nicht so sicher, weil in den Runden 7 und 8 noch Coswig und Rochade warten und wenn da gepunktet wird, dann sieht es wieder ganz anders für sie aus. Die Abstiegsfrage kann dieses Jahr sehr spannend werden, mein Tipp ist, dass vielleicht sogar 6 Punkte reichen, um nicht abzusteigen. Meine Prognosen sind zugegeben nicht so viel wert, die SG 1871 Löberitz plant schon eine Korrektur des Saisonziels. Wir werden damit noch warten wink. Zumal ich nicht einmal weiß, was unser Saisonziel war.
In Abschiedsstimmung war zudem noch Papa Görgens, der verkündete, dass dies sein vorletzter Schiedsrichtereinsatz bei uns war, weil er nach dieser Saison aufhört. Schließlich habe ich noch unseren Chef in Dresden angerufen, damit er beruhigt weiterlernen kann. Zuerst wollte er mir nicht glauben, doch bald war er von der Höhe unseres Sieges überzeugt. Er hat auch versprochen brav weiterzulernen. Wer's glaubt...
Und ein jeder machte sich auf, um Handball zu schauen. Sogar meine Freundin kennt jetzt alle mit Namen. Weltmeister!

Klingelzeichen: Das Ende der Vertretungsstunde

Es gibt kein Recht auf Faulheit in unserer Gesellschaft.
Gerhard Schröder, Anfang April 2001 in der Bild-Zeitung - für eine andere Meinung lese man z.B. Das Recht auf Faulheit von Paul Lafargue

Im Jahr zweitausendundsieben, um mal so zu enden, an einem Freitag im Februar, abends oder nachts, habe ich, obwohl ich unschuldig bin, diese Strafarbeit, besser gesagt die "Freuden der Pflicht" eines Mannschaftsberichts hinter mich gebracht und keine leere Webseite hinterlassen. Falls sich unsere Kleinen jedoch weiterhin weigern sollten, einen Bericht abzugeben, sollten wir sie erst dazu zwingen, ihre Pflicht zu tun, bevor sie eine unbestimmte Geste des Abschieds machen und der Wind sie aus dem Türrahmen reißt.

Vertretungs-ML Robert O

Sprüche

„Was machst Du schon hier?“
Weuni völlig konsterniert um 9:30 Uhr zu Robert O




© 2007, Robert O. (Autor und Verleger) auf den Seiten von AE Magdeburg
Last modified: Sat Feb 10 23:26:45 2007
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