Die alten Geschichten halten viele Wunderdinge bereit: Von lobgepriesenen Helden, von großem Schneid, von Feiern und Singen, von Weinen und Klagen, von kühner Kämpfer Ringen wollen wir Euch zutragen.[Alle Quellen zu den Zitaten sind dieses Mal zum selber Raten ;-)]
Erzähle mir, Muse, die Taten der vielgewanderten Truppe, welche so weit geirrt, nach dem Aufstieg in die heilige Oberliga, vieler Menschen Städte gesehn, und Sitte gelernt haben, Und auf dem Brette so viel' unnennbare Leiden erduldet.
Wie üblich ist nach weniger erfolgreichen Wochenenden erst recht keiner bereit, zu künden von den Taten. So hat sich der Berichterstatter geopfert, um die Tradition zu erhalten. Seine Aufrufe nach Hilfe verhallten allerdings weitgehend[1] ungehört, nachdem er seine Bereitschaft bekundete, die Aufgabe des Schreibers zu übernehmen. Und auch auf andere Ratgeber ist kein Verlass, so dass die Zeit drängt, soll noch vor dem nächsten Spiel berichtet werden. Denn wie sagte ehedem ein Philosoph:
Manches tut man nicht zur Zeit, aber die Feldbestellung muss stets zur Zeit geschehen.
In diesem Sinne beginne ich:
Ich glaube an das Pferd. Das Automobil ist eine vorübergehende Erscheinung.
Manchmal glaube ich selbst, dass ich einen Riecher habe, was für den Wettkampf am Wochenende wichtig ist. Wir haben uns nämlich ausführlich mit Karsten Müllers Endgame Corner Ausgabe Nr. 68 (hier das Archiv) bei Chesscafe.com beschäftigt, bei der es um den alleinigen Kampf des Springers gegen Freibauer(n) geht. Wir haben sogar eine schöne Verbesserung zu Karsten Müllers Lösung gefunden. Diese habe ich ihm anschließend noch gemailt und am nächsten Tag in der Früh hatte ich schon des GMs dankende Antwort mit dem Zugeständnis, dass wir tatsächlich sein schönes Dreiecksmanöver überflüssig gemacht haben. Na, dann mal viel Spaß mit der dortigen ersten Stellung...
Die weltweite Nachfrage nach Kraftfahrzeugen wird eine Million nicht überschreiten - alleine schon aus Mangel an verfügbaren Chauffeuren.
Dieser Spruch Gottlieb Daimlers wird bei uns zu jedem Auswärtsspiel wieder bestätigt: Es ist tatsächlich sehr schwer, Chauffeure zu finden. Zu diesem Spieltag hatten sich wie fast immer der Doc und dieses Mal Flash geopfert. In Anbetracht der zügigeren Fahrweise des Mediziners hat Flash am Treffpunkt beschlossen, pünktlich loszufahren und nicht zu warten. Nachdem wir jedoch versuchten, alles wieder so wie beim Landesmeistertitel im Mannschaftsblitz zu machen, hat Flash wie Michael Spandel kurz vor dem Ziel eine kleine Umfahrung eingebaut - allerdings wurde eine etwas andere Umfahrung gewählt. Da der Doc von diesen Feinheiten nichts wusste und zusätzlich ein debattierbarer Geschwindigkeitsunterschied hinzukam, erreichte er natürlich viel früher die Spielstätte der SG 1871 Löberitz, die Gaststätte "Zum Reiter".
Kommen wir zu den Partien: An Brett 1
(Holly mit Weiß
gegen Effi) passierte wie so oft nicht
viel. Irgendwann war es remis.
An Brett 2 kam es wie erwartet zu Wolga-Gambit - irgendwie
wusste Flash, dass es nicht Sämisch werden würde.
Flashs Stellung war mindestens okay. Irgendwann sah ich allerdings nach
links, weder Flash noch Dana
waren zu sehen und die Figuren waren
aufgebaut! Es sollte sich herausstellen, dass Flash in
nicht 'so toller' Stellung (nur leichter Vorteil)
nach eigener Aussage gepatzt hatte. Der Wettkampfverlauf an
Brett 3 war ebenfalls nicht nach Plan. Brain
hat durch 1.d4 erstmal Nudels
Vorbereitung hintertrieben und trotz
Königsindisch langweiliges Schach aufs Brett und ein Remis bekommen.
Na gut,
er hatte eine Erkältung als Ausrede, als billige Ausrede wohlgemerkt
- siehe Pokal weiter unten.
Vielleicht zitiere ich am besten Nudels Selbsteinschätzung:
Meine erste Partie war vor allem: Blindflug! Brain, der sich anscheinend auf mich vorbereitet hatte, schaffte es als erster unerwartete Züge zu spielen: 1. d4 und ich nahm erstmal eine Toilettenauszeit. Nach jener retournierte ich mit 1...Sf6, traute mich dann aber auch die Zweiteröffnung nicht und landete in irgendeinem Königsinder, bei dem Brain fälschlicherweise den E-Bauern anstelle des D-Bauern vorschob. Daher waren auch die restlichen sich im Kopfe befindlichen Schemata dahin und es begann ein Nahkampf, der nur durch gelegentliche Besuche der reizenden Bedienung unterbrochen wurde, da Brain seine Krankheit mit 5 Tees einzudämmen versuchte. Nachdem Brain seinen geopferten Bauern zurückgewann, bot ich Remis, was ein Null zu Acht (war noch möglich) verhinderte.
Normi an Brett 3 zeigte sich hingegen schachlich einen Tick besser vorbereitet als ich, selbst wenn er in der Wahl seiner Garderobe genauso unvorbereitet war wie ich und daher ziemlich fror. Ich hatte (für Schach) nur ca. 30 Minuten Vorbereitungszeit und habe versucht, im Tromp Normi mit einer etwas anderen Variante zu überraschen, aber er kannte aus einem Buch, das ich aufgrund fehlender Zeit nicht mehr zu Rate ziehen konnte, einen guten Zug und ich war so schon im 10.Zug zu eigenständigem Denken gezwungen. Aufgrund meiner schlechten Vorbereitung habe ich etwas zu viel Zeit verbraten und bin daher mit wenig Zeit um den 20.Zug herum etwas auf die schiefe Bahn geraten. Meine Mannschaftskollegen haben - wie ich nachher erfahren habe - nicht mehr viel auf meine Stellung gegeben, ich hingegen war eigentlich guter Dinge, noch ein Remis zu erreichen. Die interessante Partie kann mit Kommentaren von Normi und meiner Dilettanz in der Partienauswahl zur Oberliga nachgespielt werden. Von den restlichen Partien habe ich nicht viel mitbekommen, da ich ja ca. 60 Züge selbst aufs Heftigste beschäftigt war. Doc hatte irgendwie keine Revanche gegen Harald Matthey geschafft und Susi hatte nach zwischendurch guter, dann interessanter Stellung am Ende doch die Partie abgegeben. Da die Niederlage feststand, haben Flori und Pavel eventuelle Gewinnversuche abgebrochen, um Kraft zu sparen und so ging der Mannschaftskampf verdient verloren, selbst wenn das Ergebnis knapper hätte ausfallen können.
Wir haben den
anschließenden Abend nicht mit Wundenlecken verbracht, sondern
uns erstmal ernährungstechnisch gestärkt - gut hat es
geschmeckt! - und versuchten hernach, die verbliebenen Mitspieler in
anderen Spielen zu schlagen.
Nudel nahm Dana mit Anhang
und Jay-Jay in
irgendeinem Gesellschaftsspiel mit
Magier- und Diebeskarten[2] aufs Korn, das er Ihnen
erst auf Russisch erklärte, bevor er
die drei abzog.
Er hat dabei noch Lettisch gelernt: Tris Zudrops = Drei
Silber
oder so ähnlich.
Susi packte Ihr Sudoku-Büchlein aus und wurde von Flash zum Match
aufgefordert. Anfangs hatte Flash die Angelegenheit sicher im Griff,
auch die Variante des Quadrat-Tauschens führte genausowenig zum
Ziel wie der Trick mit dem Nachsehen
durch den Schiedsrichter in der Lösung, falls man
falsch aufgefüllt hat. Und selbst der grässliche
reflektierende Rotstift - der später zum Glück ausgetauscht
wurde -
konnte nichts an der Überlegenheit
ändern. Irgendwann drehte sich das Blatt und Flash war ab da
chancenlos. Ich habe dann für Flash übernommen und war noch
viel chancenloser, muss allerdings zugeben, dass das meine ersten
Sudoku-Rätsel waren, die ich ausgefüllt habe, vorher habe
ich mich nur mit
theoretischen Fragestellungen eines Mathematikers
beschäftigt z.B. etwa
Wie viele verschiedenen Möglichkeiten für
ausgefüllte n2 × n2 Sudokus gibt es?
.
Schließlich versuchte sich noch Nudel und wurde ebenso
vernichtend geschlagen und hat deshalb weise - seufzend: Wenn Susi alles so gut
könnte! -
die "Sportart" gewechselt.[3]
Die Wahl des Spiels - laut Flash das Klatsch-Cowboyspiel, was immer
das ist - machte
allerdings einen infantilen Eindruck, die beiden amüsierten sich
freilich köstlich und Nudel hatte seine Rache.
Zu Susis Sudoku-Künsten - wenn sie einmal warmgespielt ist - kann
man nur sagen, dass
die deutschen Meisterschaften 2006
(und damit der Zug zur
WM
2007 in Prag)
leider schon vorbei sind, vielleicht reicht es ja für
Sudoku
- das Quiz oder die WM 2008.
Ich hatte umgesattelt auf
Sankt
Petersburg. Das Spiel machte anfangs einen etwas undurchsichtigen
Eindruck, stellte sich andererseits als nicht unvernünftiges
Strategiespiel (okay, wir wollen nicht übertreiben)
heraus. Meine Anfangsfehler konnte ich allerdings nie
mehr wettmachen. Insofern ging es mir
wie Ronny, der seine Fehler
allerdings erst im Mittelteil machte, ab da jedoch wie ich
hauptsächlich als Beobachter das Ende des Spiels
herbeisehnte - wie wohl überdies die Wirtsleute. Jay-Jay und
Riker lieferten sich ein spannendes Finale,
das erst durch die letzten aufgedeckten Karten zu Gunsten von Riker
entschieden wurde. Es war höchste Zeit, die
Löberitzer Schlafkammer aufzusuchen, die uns freundlicherweise
zur Verfügung gestellt wurde, und die Isomatten und
Schlafsäcke auszurollen.
Zwar steht in Flashs E-Mail noch, dass ich über Jay-Jay
schreiben soll, der trotz Bestechungsversuchen (bei St. Petersburg)
und Drohungen (zufälliges Verschlafen, besetzter Dusche,
aus Versehen in der Nacht umfallenden Stühlen,
Einsperren in der Kiste)
sich nicht zu einer schnellen Niederlage bereit erklärte,
doch ich komme lieber
schnell zum Sonntag, nicht ohne über vergebliche 15-minütige
Vorbereitung
im Schlafsack auf Jay-Jay anhand eines Slawisch-Buches zu berichten,
was von Susi
völlig entgeistert registriert wurde.
What is he, some kind of defeatist?
Diese Vorbereitung sollte sich als nutzlos erweisen - Hat die
Drohung mit dem Buch dazu geführt? - jedenfalls kam am
Sonntagmorgen 1.e4 von Jay-Jay.
Doch zurück zum Frühstück: Nachdem ich erst als
letzter das Bad benutzen durfte, kann ich erst von dem Moment an
berichten, als Nudel per Handy von Docs Malheur erfahren durfte.
Nachdem nämlich -Ich muss lernen!
- Effi,
Flori, Doc und Pavel am Samstag die
Rückreise angetreten waren, hieß es am Sonntagmorgen:
Tanken!
Nur so als Nebenbemerkung: Mir ist aufgefallen, dass bisher bei jeder
Fahrt mit Doc getankt wurde, sei es aus dem Benzinkanister, sei es an
der Tankstelle. Warum tanken eigentlich die anderen Fahrer vorher?
Ah, jetzt weiß ich's: Die fahren langsamer! Obwohl so viel
langsamer fahre ich beispielsweise
auch nicht, und fast genauso unpünktlich bin
ich wohl gleichfalls. Egal, jedenfalls wurde der
ML
davon unterrichtet, dass
Sven an der Tankstelle steht. Nein, dieses Mal war der
Tank
dicht. Und
es war auch Benzin drin der Marke
Shell V-Power,
also das Beste vom Besten,
sagt jedenfalls Schumi.
Da gab es nur ein kleines Problem: Es war wirklich Benzin und nicht
Diesel[4], dabei war Doc doch so stolz darauf, dass er jetzt ein
Diesel-Fahrzeug hat. Als ich klein und dumm war, fuhren damit nur Landwirte und
Fahrer mit Campingwagenanhängern, das ist jedoch eine andere Geschichte.
Jedenfalls sollte man mit einem
Dieselfahrzeug bei einem Tank randvoll mit Benzin nicht herumfahren.
Doch der
ML
hat für solche Fälle höhere Mächte in
Petto:
Den großen Vorsitzenden.
Also kurz bei Papi angerufen und ihn zur Fahrzeugübergabe an Doc
bestellt.
Und so saßen wir bei einer etwas
wartezimmerartigen Wettkampfatmosphäre
den Hallensern gegenüber und diese erwarteten hoffentlich
mit einem Gefühl
wie Napoleon die nachrückenden preußischen Truppen. Doc,
Sonntagsüberraschung Robby,
Pavel und Effi rückten
überraschenderweise schon 20 Minuten nach 10 Uhr an, da
anscheinend
das Windelbandsche Familienfahrzeug endlich einmal ausgefahren wurde.
Sollte dieses 20-Minuten-Gambit wie gegen
Naumburg
gut ausgehen?
Nun zu den einzelnen Partien: Neben meiner Partie habe ich am
meisten bei meinem Tischnachbar, unserem allseits geschätzten
ML,
mitbekommen. Jedenfalls erhielt Jens vor Spielbeginn den Auftrag, an
seinen ersten Schachlehrer, einen alten Bekannten Detlev Neukirchs,
einen Gruß zu übermitteln.
Derart motiviert - man kann doch seinen altem Schachlehrer nicht nach
einer Niederlage mit einer Grußbotschaft gegenübertreten
- entwickelte sich
die Partie zu unseren Gunsten:
Läuferpaar, Qualle mehr und dann noch Freibauern
waren die Stationen auf dem Weg zum Sieg.
Leider nur zu Jens persönlichem. Denn vorher hatte noch Flash
nach eigener Aussage Kinderschach
gespielt, obgleich ich das
nicht so formulieren würde. Er hat einfach die Varianten
verwechselt und ist in eine geraten, die wohl noch gerade so
spielbar ist, jedoch nur durch einen nicht einfach zu sehenden
taktischen Trick, der natürlich im
Watson
steht. So allerdings bekam Thomas Höpfl den Punkt, ohne viel
dafür gekämpft haben zu müssen.
Susi spielte in und nach der Eröffnung schön mit, verloren hat
sie trotzdem irgendwie. Ebenso der Doc, dessen Partie ich nur einmal
sehr kurz gesehen habe, und dessen Stellung ich nicht verstand. Also
1:3. Doch die restlichen Bretter standen allesamt sehr gut. Jetzt kam
es wohl zu Nachwirkungen des Zeitgambits, denn bei Effi ging nach
eigener Aussage die Post ab:
Die Zeitnotschlacht bei mir war echt krank, bin mit +0.8 (Schnellanalyse) reingegangen, dann Fehler gemacht und als er plötzlich eine Chance auf -2.8 kriegt, macht er den entscheidenden Lapsus, danach wieder +1.5, mein Fehler und die Stellung bei +0,05, dann sein Patzer und +5.4 für mich. (War aber komischerweise der einzige Zug, alles andere verliert.)
und dann der letzte Patzer, wie in der Partienauswahl zur Oberliga nachzuspielen. Zwar wurde dieses 1:4 noch von Robby (saustarke Partie!) auf 2:4 verkürzt und bei den restlichen beiden Partien hatten Pavel und meine Tattrichkeit jeweils einen Mehrbauern. Es sollte an diesem Tag nicht sein: Pavel schaffte nur remis und es stand 2,5:4,5 gegen uns. Ich habe das natürlich mitbekommen und war entsprechend geknickt, nur Jay-Jay hat das niemand erzählt und so dachte er, er muss mit einem Remis noch den Mannschaftssieg retten. Dabei hatte ich ihn so schön überspielt, nachdem er in der Eröffnung einen Bauern für etwas, nichtsdestoweniger nicht genügend Druck abgab. Im 60.Zug stand ich endlich auf Gewinn (ob vorher, kann ich beim besten Willen nicht sagen), es waren all die Motive vom Donnerstagstraining auf dem Brett, denn mein Springer kämpfte am Flügel gegen einen Freibauern, während am anderen meine Freibauern vor dem Loslaufen waren. Ich hatte mit 6 Minuten gegen 3 Minuten deutlich mehr Zeit auf der Uhr, es gab allerdings keine mehr dazu und es war immer noch nicht einfach - da merkte ich nun, dass ich aus einer anderen Zeit stamme, als es in dieser Situation noch Hängepartien gegeben hätte und man in aller Ruhe daheim (ohne Computer) den Sieg ausgetüftelt hätte. Eine weitere halbe Stunde - wie noch in der vergangenen Saison - hätte trotz der etwas nachlassenden Konzentration wohl gereicht, so war es ein Glücksspiel, bei dem Jay-Jay, der sich tapfer wehrte, nach gefühlten 90 Zügen[5] und hängendem Blättchen mit einem Remis belohnt wurde. Scheibenkleister! Können wir nicht wenigstens mit Inkrement spielen? Mit einem gezielten Kugelschreiberwurf in ein unbevölkertes Eck versuchte ich etwas Druck abzubauen - Sorry an alle, die ich erschreckt habe! Gratulieren wollte mir jedenfalls zum Remis keiner, alle hatten wohl verständlicherweise Angst. Heimgefahren sind wir auch noch, erinnern kann ich mich an nichts, ich musste erst wieder normale Betriebstemperatur erreichen. Ich weiß also nicht, was nahe einem bei Halle liegenden Dorf, der Fahrer mir auf der Rückreise gen Magdeburg nach der Schlacht, um die Zeit, da das Dorf schon ganz von der Armee der Schachspieler von AEM verlassen worden war, erzählte. Ein paar Tage später war ich jedenfalls krank.
We're gonna groove, Yeah groove Yeah we're gonna groove
Eine Woche später stand der deutsche Pokal-Wettbewerb auf dem Programm. Der Landesligist SC Bad Salzdetfurth war unser Gastgeber. Nachdem Nudel einfach so beim Ramada-Cup in Halle mit Freunden[6] spielte, sollten Effi, Flash, Mc und ich für AEM auflaufen, nachdem andere wie z.B. Weuni oder Doc absagten. Nachdem ich sowieso keine besondere Lust auf Schach hatte und meine wenige Freizeit gerne anders verbracht hätte, kam ferner noch besagte starke Erkältung dazu. Ausgestattet mit genügend Taschentüchern und Salbei-Bonbons konnte ich erst am Freitagabend grünes Licht für einen Einsatz geben - am Donnerstag musste ich das Training noch ausfallen lassen. Die Fahrt nach Bad Salzdetfurth war recht kurzweilig. Markus klagte, dass er nicht sowohl den 1.FCM auf St.Pauli als auch das irische Pokal-Finale in Dublin an der Lansdowne Road[7] anschauen könnte, weil der passende Billigflieger nach Dublin leider schon zur Halbzeitpause abfliegen würde, ich konnte ein wenig zur englischen Pokaltradition beisteuern, weil ich gerade Fever Pitch von Nick Hornby lese; es ging um Ticketpreise in den Siebziger Jahren (25 Pence in England, 25 Pfennige im Osten), währenddessen Markus den Stau in seiner unnachahmlichen Art umfuhr - auf Details verzichte ich, um die Ermittlungsbehörden nicht auf den Plan zu rufen. Und Warnung: Bitte nicht selbst versuchen![8] Schließlich habe ich noch mit Ortskenntnissen von Bad Salzdetfurth verblüfft - ich war nämlich mit meiner Freundin Ende September als Zuschauer auf den Norddeutschen Meisterschaften im Voltigieren in Hohenhameln und auf der Rückfahrt haben wir uns erst in einem Cafe verköstigt und hinterher die schöne Altstadt von Bad Salzdetfurth angesehen. Die Altstadt ist wirklich sehr empfehlenswert, das Speiseeis, das es dort zu kaufen gibt, weniger, obwohl wir praktisch alle Eiscafes durchprobierten. Markus hatte sich vorgenommen, nach seinem Spiel die Altstadt anzusehen, nachdem er die Stadt mit den Google Maps vorher erkundet hatte. Doch da sollte er die Rechnung ohne seinen Gegner gemacht haben.
Nachdem wir noch kurz bei dem nahegelegenen Bäcker einkauften (ich musste noch etwas frühstücken/mittagessen), ging es an die Brettverteilung. Bei der Aufstellung haben wir uns als Favorit danach orientiert, dass der Gegner sich an uns zu orientieren hat, und wie üblich aufgestellt, also Effi an 1, Flash an 2, meine hustende und schniefende Wenigkeit an 3 und der Mc an 4. Unsere Gegner versuchten so etwas wie eine taktische Aufstellung und haben ihr sonstiges Spitzenbrett an 4 und den DWZ-Stärksten an 3 aufgestellt, obwohl mein Gegner hinterher meinte, dass er nicht der Beste im Verein ist, sondern letztes Jahr ausnahmsweise nur eine gute Saison hatte. Wenn man auf die DWZ-Liste schaut, merkt man, dass die besten vier von Salzdetfurth alle im Bereich von 2100 bis knapp über 2200 liegen und daher nicht zu unterschätzen waren. Durch die Aufstellungstaktik lagen wir an 3 und 4 sogar im DWZ-Nachteil und ich war mir nicht so sicher, wie lange ich krankheitsbedingt durchhalten würde. Dagegen war ich vermutlich sogar besser als vor dem letzten Mannschaftskampf vorbereitet, weil ich einen warmen Extrapulli dabei hatte und am Samstagvormittag noch in meiner Datenbank nachgesehen habe, was unsere potentiellen Gegner so spielten. So wusste ich, dass ich mich im wesentlichen nicht vorzubereiten hatte. Mein Gegner - Jürgen Schwetje - wählte einen geschlossenen Franzosen, wie erwartet. Wenn ich mich wirklich vorbereitet hätte, dann hätte ich vielleicht eine der Varianten in der aktuellen Watson-Ausgabe (tatsächlich schon aus dem Jahre 2003 - wie die Zeit vergeht) ausprobiert, so mussten es die Varianten der 2.Auflage (aus der späten Steinzeit, genauer 1996) tun und das taten sie ganz gut. Effi bekam als Weißer - gegen Heinrich Höxter - die Gelegenheit, nochmal Wolga-Gambit zu üben und hatte nach 2 Stunden Spielzeit ebenfalls deutliche Vorteile auf der Uhr(!) und auf dem Brett. Flash hatte mit Schwarz - gegen Thomas Sill - eine interessante Stellung in einem Winawer-Franzosen mit weißem a4, die nach meinem Gefühl gleiche Chancen bot. Nur Mc - gegen Matthias Tonndorf, der vergangene Saison noch mit Xiangqi-Freund Andreas Klein bei Salzgitter spielte - hatte trotz Anzugsvorteil etwas Nachteil, weil er in seinem Dameninder(!) mit dem isolierten Bauern nicht genügend Druck entwickelte. Nach 3 Stunden war mehr oder weniger alles vorbei. Mein Gegner machte mit seinem Königsangriff-Plan zielstrebig und total konsequent weiter, während ich alle Figuren entwickelte und im Zentrum und am Damenflügel zum Gegenschlag ansetzte. Überraschenderweise will Fritz VIII praktisch all die weißen Züge auch spielen und denkt ähnlich wie mein Gegner, dass er auf Qualitätsgewinn spielen kann. Ein nicht besonders subtiles Angebot eines Bauernopfers mit h7-h5 lenkt seine Dame etwas ab - na gut, kann man übersehen, dass bei Angriff auf den König einfach ein Verteidigungsbauer spendiert wird. Und wenn man dann genauer hinsieht, sollte einem absolut klar sein, dass das Bauernopfer ein Danaergeschenk ist - ich habe zugegebenermaßen nicht mal genauer hingesehen. Das muss selbst Fritz letztlich einsehen und die Bewertung für Schwarz ist kurz nach dem 20.Zug bei -+. Mein Gegner hat danach noch ein paar Tricks versucht, im 28.Zug ging er indessen an Materialmangel zugrunde. Trotz Krankheit eine meiner besseren Partien und kein langweiliges Schach. Wenngleich - Letzteres lag vielleicht hauptsächlich am Gegner.
Zufrieden, dass ich bei meinem Gesundheitszustand nicht zu lange spielen musste und mit einem Blick auf Effis Gewinnstellung und Flashs ausgeglichene Chancen machte ich mich auf dem Weg zu einem Discounter auf der anderen Straßenseite. Dort musste ich leider feststellen, dass das Lebkuchenangebot bei dem Discounter der gleichen Kette in Magdeburg größer ist. Daher konnte ich Mc nur mit minderwertigerer Ware versorgen, aber ein Blick auf seine Stellung bei der Rückkehr zeigte mir, dass er sich tapfer wehrte. Vorher hatte ich noch nach Hause telephoniert und berichtet, dass wir so gut wie gewonnen haben, da Effi auf Sieg steht. Meine Freundin hat das natürlich nicht verstanden und war daher etwas säuerlich, als wir erst viele Stunden später zurückkamen. Nachdem nämlich Flashs Gegner angesichts seiner knappen Zeit die weniger riskanten Varianten wählte und Flash angesichts des Spielstandes das gleiche tat und daher folgerichtig nach 4 Stunden ein Remis aufs Brett kam - die interessanten Varianten haben wir in der Analyse noch länger durchgekaut -, war wirklich alles entschieden. Effi hat nicht mehr allzulange gebraucht, um die Formalitäten zu erledigen. Somit standen 2,5 Punkte und die nächste Runde bereits fest.
Mc hat derweil mit einem zweiten Remisgebot (das erste war in der Eröffnung) den Unmut seines Gegners erregt und war als Schatzmeister über des Schiedsrichters Wahl der Verkehrsmittel, die bei der Abrechnung zu Tage traten, nicht besonders begeistert, da dieser die deutschen Bahn durch ungeschickte Ticketwahl und ferner die Taxibranche an seinem Heimatort und in Bad Salzdetfurth unterstützte. Nun, er hatte noch einige Zeit, das zu verdauen, da sein Gegner weiter versuchte, ihn zu kneten, dabei zwar einen Bauern eroberte, jedoch Mc weiter munter mitspielte. Irgendwann nach vielen, vielen Stunden war dann ein Springerendspiel erreicht, bei dem Mc trotz Minusbauern nur noch das Zugrecht an den Gegner abgeben hätte müssen, um zu gewinnen! Da dies indes mit einem König, der nur auf zwei Feldern hin- und herziehen kann um den Druck zu erhalten, und einem Springer nicht geht, musste Mc sich mit einem schwer erkämpften Unentschieden zufrieden geben. Obwohl er eine Woche später immer noch von der Endstellung beeindruckt war und die Gewinnvariante suchte. Wir haben uns noch zu später Stunde von den netten Gastgebern verabschiedet, nachdem der Gastwirt durch Schusseligkeit vorher weitere Nahrungsaufnahmen unsererseits sabotiert hatte. Dabei hatten wir gründlich die Speisekarte studiert und über die Fragen der Boulevard-Sportpresse sinniert, wie oft der FC Bayern die Gruppenphase der Champions League überstanden hat, um uns die Zeit zu vertreiben. Mc hat uns noch sicher heimgebracht.
![]() | Lustig, lustig, trallerallera, bald ist Nikolausabend da | ![]() |
„Nun sei doch mal ruhig, Jay-Jay!“
Nudel und Flash beschweren sich bei Jay-Jay, den
seine eigenen Mannschaftskollegen nicht mitnahmen und der stattdessen
lieber die AEMer einfach nicht schlafen ließ
„Hey, nicht dass du mir was wegguckst!“
„Keine Sorge, Susi, wenn ich meine Brille nicht aufhabe, kann
ich eh nichts sehen, selbst wenn du nackt wärst!“
„Wie meinst' denn dit jetzt?!“
Susi auf dem Weg ins Bad zu Nudel
„Ich würde lieber 3:1 führen und schlechter stehen!“
Nudel zu den Hallensern, die eine Niederlage fürchteten,
beim Stande von 1:3 und noch wenigstens 3 möglichen Punkten auf den Brettern.
„Ich habe jetzt einen Diesel!“
Doc zu Susi über sein neues Auto - am Samstag!
„Wollen wir noch analysieren? Oder hast Du die Schnauze voll?“
Thomas Höpfl zu Flash nach der Partie
„170? Mehr als 200!“
Susi zu Flash, der begründen wollte, warum der Doc bei Tempo
170 schneller ankommt, obwohl er später losfährt
„Voltigieren - Was ist das?“
„So was wie Turnen auf dem Pferd!“
„Wieso sollte man auf dem Pferd turnen?“
„Naja, man macht ja auch Bodenturnen!“
Dialog, um zu erklären, wieso man schon mal in der Gegend von
Salzdetfurth war