Mitten im Advent. Spielte gegen Rochade. Verlor klar. 2:6. Und wieder einmal will keiner einen Bericht schreiben. Bin so blöd, trotzdem ein wenig zu schreiben.
Die besinnlichen Tage zwischen Weihnachten und Neujahr haben schon manchen um die Besinnung gebracht.Joachim Ringelnatz
Werde es kurz machen. Pavel ließ sich von der Anandschen Niederlage im WM-Blitz gegen Kramnik (Weiß) inspirieren. Gleiches Ergebnis: Punkt für Weiß, hier: Dominik Jäger. Davor ein Remis von Doc gegen Ralf Seibicke. Wegen zu viel beruflichen Stress war Doc nicht in der optimalen Stimmung, um Schach zu spielen. Ich konnte ihn gut verstehen, wollte es trotzdem versuchen. Es wurde ja schon gelästert, dass ich wieder remis spielen würde. Der Gesamtstand gebot bald auch ein Spiel auf Sieg.
In einem ruhigen Läuferspiel kam Robby mit Schwarz gegen Ulf Von Hassel meines Erachtens sehr gut aus der Eröffnung. Dann aber herrschte Zeitnot, weil er um 14 Uhr schon einen anderen Termin hatte. Das ging schief.

von links nach rechts: Guido, Nudel, Robert O., Wagi, Robby, Doc,
Martin Niering, Mike Stolz (Quelle: Eroll Popova, Volksstimme)
Spe salviZweite Enzyklika Papst Benedikts XVI
Es war noch Hoffnung, weil
Weuni wieder eine
SOS-Waffe gegen Grünfeld ausgepackt hatte. Auch wenn zwischendurch mal
die Stellung "nur" ± war, deutete sich ein sicherer Sieg ab.
Er wurde als letzter fertig.
Am Spitzenbrett
zwischen Mike Stolz und Flash
sagte mein Laienblick, dass lange nichts entschieden war.
Wenn ich mich nicht täusche, dann kam erst in Zeitnot ein Fehlgriff.
Ein Holländer halt an Brett 3 bei Falk Hoffmeyer gegen
Nudel: Genauso wie
Königsindisch nicht schön anzusehen, oft bekommt Schwarz
doch einen Totschläger gegen den weißen König und es ist
dann egal, dass die Stellung strategisch eine Ruine war.
Leider ging bei knapper Zeit
eine Figur verloren und das Totschlagen wurde so unterstützt
abgewehrt. Ansonsten wurde in der Analyse noch
lange rumprobiert. Mike hatte dabei jedenfalls seinen Spaß.
Und Guido folgte seiner
Vorbereitung gegen Martin Niering im modernen d3-Spanier und konnte
Vorteil erringen - Kaffeevorrat war zur Genüge da.
Im Endeffekt wurde es doch nur Remis, weil er es
wohl zu genau machen wollte.
Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen.Immanuel Kant wettert gegen Fritz und Kumpane. Aus dem Aufsatz: "Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?" (1784)
Bleibt noch über meine Partie zu berichten.
Wagi versuchte
mit 1...c5 auf 1.d4 meine
Vorbereitung zu umgehen. Ich hatte jedoch keine Zeit zur
Vorbereitung. So wandelten wir auf seltenen Benoni-Pfaden.
Die jedoch klar besser für Weiß waren. Bei meiner
e4-e5-Sprengung habe ich allerdings einen taktischen Trick
übersehen und musste zu einer Notlösung greifen, die
einiges vom Vorteil hergab. Dann habe ich in allgemeiner
Verblödung ein wichtiges Tempo verschenkt. So war die Stellung
offen, die Restbedenkzeit nachteilig:
Ich hatte nach dem 25.Zug 7 Minuten gegen
18 Minuten bei Wagi. Zwar griff Wagi im 27.Zug fehl, ich verpasste
allerdings
im 29.Zug die Gewinnfortsetzung, die ich erst sah, als ich
schon gezogen hatte. Und dann im 30.Zug die Ausgleichsfortsetzung ausgelassen.
Danach hat Wagi darauf verzichtet, mich mattzusetzen und nur eine
Figur erobert. Zwar hat er etwas Luft hineingelassen, aber er
hat gerade noch rechtzeitig wieder Gas gegeben und noch so
eben gewonnen. Ein Tempo hat gefehlt.
Und so endete nach 63 Zügen eine längere
Serie - soll doch die Presse, die uns während des Kampfes
einzeln photographierte, herausfinden, wie lang sie war.
Vielleicht sind alle beim nächsten Mal wieder froh, wenn ich
remis spiele.
Das Wetter war kalt und neblig, als noch einige
etwas niedergeschlagene Gestalten
vor dem Nordausgang der
HGH Fazit zogen,
während drinnen beim Handball oder Basketball das Publikum in Hochstimmung
war.
Meine Gedanken waren eher bei Schachboxen. Vielleicht sollte ich
wechseln. Oder besser zu Schachtaekwondo. Einen
grünen Gürtel (6.Kup) habe ich ja -
nicht beim Schachspiel!
Wer hat keinen und opfert sich spontan zum Zwecke meines Frustabbaus?
Zur Not muss der AEM-Blitzcup reichen.
In diesem Sinne noch eine besinnliche Zeit.
Und noch musikalische Adventsgrüße:
Macht hoch die Tür, die Tor macht weitoder für AtheistenWinterzeit in Wienoder vielleicht doch eher passend zur grauen Zeitder letzte deutsche Schnee
Weuni (wehrt sich wieder einmal dagegen, einen Bericht zu schreiben): “Was soll das mit den Berichten? Die liest sowieso fast nur Riker!”
Wagi bei der Analyse mit Fritz: “Daran glaube ich nicht. Da sollte die Steckdose geprüft werden.”