AEMAEM Mannschaftsberichte - Saison 2007/08 (5)

Adventstrübsinn

Mitten im Advent. Spielte gegen Rochade. Verlor klar. 2:6. Und wieder einmal will keiner einen Bericht schreiben. Bin so blöd, trotzdem ein wenig zu schreiben.

Die besinnlichen Tage zwischen Weihnachten und Neujahr
haben schon manchen um die Besinnung gebracht.
Joachim Ringelnatz

Werde es kurz machen. Pavel ließ sich von der Anandschen Niederlage im WM-Blitz gegen Kramnik (Weiß) inspirieren. Gleiches Ergebnis: Punkt für Weiß, hier: Dominik Jäger. Davor ein Remis von Doc gegen Ralf Seibicke. Wegen zu viel beruflichen Stress war Doc nicht in der optimalen Stimmung, um Schach zu spielen. Ich konnte ihn gut verstehen, wollte es trotzdem versuchen. Es wurde ja schon gelästert, dass ich wieder remis spielen würde. Der Gesamtstand gebot bald auch ein Spiel auf Sieg.

Zuerst hatten wir kein Glück,
und dann kam auch noch Pech dazu.
Uwe oder Jürgen Wegmann

In einem ruhigen Läuferspiel kam Robby mit Schwarz gegen Ulf Von Hassel meines Erachtens sehr gut aus der Eröffnung. Dann aber herrschte Zeitnot, weil er um 14 Uhr schon einen anderen Termin hatte. Das ging schief.

Rothe-Niering
von links nach rechts: Guido, Nudel, Robert O., Wagi, Robby, Doc, Martin Niering, Mike Stolz (Quelle: Eroll Popova, Volksstimme)

Spe salvi
Zweite Enzyklika Papst Benedikts XVI

Es war noch Hoffnung, weil Weuni wieder eine SOS-Waffe gegen Grünfeld ausgepackt hatte. Auch wenn zwischendurch mal die Stellung "nur" ± war, deutete sich ein sicherer Sieg ab. Er wurde als letzter fertig.
Am Spitzenbrett zwischen Mike Stolz und Flash sagte mein Laienblick, dass lange nichts entschieden war. Wenn ich mich nicht täusche, dann kam erst in Zeitnot ein Fehlgriff. Ein Holländer halt an Brett 3 bei Falk Hoffmeyer gegen Nudel: Genauso wie Königsindisch nicht schön anzusehen, oft bekommt Schwarz doch einen Totschläger gegen den weißen König und es ist dann egal, dass die Stellung strategisch eine Ruine war. Leider ging bei knapper Zeit eine Figur verloren und das Totschlagen wurde so unterstützt abgewehrt. Ansonsten wurde in der Analyse noch lange rumprobiert. Mike hatte dabei jedenfalls seinen Spaß. Und Guido folgte seiner Vorbereitung gegen Martin Niering im modernen d3-Spanier und konnte Vorteil erringen - Kaffeevorrat war zur Genüge da. Im Endeffekt wurde es doch nur Remis, weil er es wohl zu genau machen wollte.

Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit.
Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen.
Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes,
sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen.
Immanuel Kant wettert gegen Fritz und Kumpane. Aus dem Aufsatz: "Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?" (1784)

Bleibt noch über meine Partie zu berichten. Wagi versuchte mit 1...c5 auf 1.d4 meine Vorbereitung zu umgehen. Ich hatte jedoch keine Zeit zur Vorbereitung. So wandelten wir auf seltenen Benoni-Pfaden. Die jedoch klar besser für Weiß waren. Bei meiner e4-e5-Sprengung habe ich allerdings einen taktischen Trick übersehen und musste zu einer Notlösung greifen, die einiges vom Vorteil hergab. Dann habe ich in allgemeiner Verblödung ein wichtiges Tempo verschenkt. So war die Stellung offen, die Restbedenkzeit nachteilig: Ich hatte nach dem 25.Zug 7 Minuten gegen 18 Minuten bei Wagi. Zwar griff Wagi im 27.Zug fehl, ich verpasste allerdings im 29.Zug die Gewinnfortsetzung, die ich erst sah, als ich schon gezogen hatte. Und dann im 30.Zug die Ausgleichsfortsetzung ausgelassen. Danach hat Wagi darauf verzichtet, mich mattzusetzen und nur eine Figur erobert. Zwar hat er etwas Luft hineingelassen, aber er hat gerade noch rechtzeitig wieder Gas gegeben und noch so eben gewonnen. Ein Tempo hat gefehlt.wink Und so endete nach 63 Zügen eine längere Serie - soll doch die Presse, die uns während des Kampfes einzeln photographierte, herausfinden, wie lang sie war. Vielleicht sind alle beim nächsten Mal wieder froh, wenn ich remis spiele.
Das Wetter war kalt und neblig, als noch einige etwas niedergeschlagene Gestalten vor dem Nordausgang der HGH Fazit zogen, während drinnen beim Handball oder Basketball das Publikum in Hochstimmung war. Meine Gedanken waren eher bei Schachboxen. Vielleicht sollte ich wechseln. Oder besser zu Schachtaekwondo. Einen grünen Gürtel (6.Kup) habe ich ja - nicht beim Schachspiel! Wer hat keinen und opfert sich spontan zum Zwecke meines Frustabbaus? Zur Not muss der AEM-Blitzcup reichen.
In diesem Sinne noch eine besinnliche Zeit.

Robert O.

Und noch musikalische Adventsgrüße:

Macht hoch die Tür, die Tor macht weit
oder für Atheisten
Winterzeit in Wien
oder vielleicht doch eher passend zur grauen Zeit
der letzte deutsche Schnee

Sprüche

Weuni (wehrt sich wieder einmal dagegen, einen Bericht zu schreiben): “Was soll das mit den Berichten? Die liest sowieso fast nur Riker!”

Wagi bei der Analyse mit Fritz: “Daran glaube ich nicht. Da sollte die Steckdose geprüft werden.”




© 2007, Robert O. (Autor und Verleger) auf den Seiten von AE Magdeburg
Last modified: Sun, Dec 09 21:08:45 2007
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