Oberligabericht - Notausgabe

Statt eines Vorwortes

Eigentlich sollte und wollte ich ja nicht den Bericht schreiben, denn nach der hervorragenden Idee von Flash sollten die Berichte in Brettreihenfolge geschrieben werden. Nur so konnten wir ja Effi überzeugen, seinen jetzt schon legendären ersten Oberliga-Bericht zu schreiben, um eine überragende Messlatte für zukünftige Schreiberlinge zu setzen.

Anscheinend ist diese Vorgabe abschreckend, denn natürlich traut sich nun keiner an einen zweiten Bericht, weil er befürchtet, dass er dieses Niveau nicht halten kann. Wird auch keiner halten. Daher habe ich mich entschlossen, angesichts dieser Probleme eine Notausgabe zu produzieren, um den Das-kann-ich-aber-besser-Effekt zu erreichen. Der folgende Bericht ist also weder lustig noch informativer als der kommende Volksstimme-Artikel. Und das ist so gewollt. Wie ich das so skrupellos erreiche? Nun, zuerst einmal ist der folgende Bericht zu einem völlig anderen Zweck entstanden: Um die Presse zu informieren. Und Pressearbeit ist nicht lustig, sondern harte Arbeit. Zwar sind einige Artikel unserer Presse (ungewollt) komisch, aber sicher nicht Mustis. Und Musti weiß sehr wohl, dass er all die unwichtigen Infos, die ich ihm in so einem Schnellbericht schreibe, besser wegläßt. Und dann gibt es ja noch die Zeitungsprofis, die noch besser als Musti wissen, was man alles weglassen kann. Wer sich also 5 Minuten Zeit nimmt, um die restlichen Zeilen zu lesen, darf sich hinterher nicht beschweren, dass ich ihn nicht gewarnt habe.

Vorbereitung (Donnerstag)

Donnerstag ist Trainingstag. Thema war: das offene Zentrum. Ich hatte am Samstag ein geschlossenes Zentrum. Am Sonntag hat Hesse das Zentrum auch nur halb geöffnet.

Vorbereitung (Freitag)

Freitag ist Bolztag. Ich war nicht da.

Obwohl: Etwas weiß ich über das Freitagsbolzen: Wagi wußte nicht, wann es anfing. Hat er mir jedenfalls am Sonntag erzählt, weil er so schnell fertig war. Daher hier nochmal für alle: Freitag Bolzen um 19.15 Uhr. Danke für die Aufmerksamkeit.

Die Fahrt nach Leipzig

Flash und Weuni haben mich beim Donnerstagstraining überredet, früher loszufahren. So etwa wie auf einem orientalischen Basar. Ich habe mich also statt 12.30 Uhr auf 12.12 Uhr herunterhandeln lassen, obwohl meine Freundin da ist, und mein Magen dann knurren wird und trotz vieler weiterer wichtiger Argumente, die alle nicht den durchschlagenden Effekt hatten, sondern nur einige Minuten brachten.

Daher stand ich schon cum pauco tempore 12.16 Uhr [praktisch oberpünktlich] unten bei Weuni. Weuni war noch nicht unten, obwohl er unten warten wollte. Weil all die anderen Autos, die in Magdeburg um diese Zeit unterwegs sind, gerade an mir vorbeifuhren, war es schon 12.20 Uhr, als ich bei Weuni klingelte. Daher sind wir erst um 12.24 Uhr losgefahren. Ergo so wie ich summ, ist Weuni für 8 Minuten unseres Zeitverzugs gegenüber dem Plan verantwortlich. [Ja, wir machten einen Plan! Und nachdem wir die Schuldigen gesucht haben, müssen wir jetzt die Unschuldigen bestrafen und die Unbeteiligten prämieren.] Vielleicht war es auch nicht schlecht, dass er noch etwas gegessen hat. Noch Flash eingesammelt und dann nach Schönebeck gebraust, um das Görgens-Doppel einzuladen. Schönebeck versucht ja durch ein ausgetüfteltes System von Einbahnstraßen die Stadt für den Besucher, der sich dort verirrt, größer erscheinen zu lassen. Ist immer wieder aufs Neue lästig. Über die Fahrt gibt es ansonsten nicht viel zu erzählen, außer dass Flash mildernde Umstände bekommt, weil er hinten mit dem Görgens-Doppel saß. Ich habe als Fahrer nicht verstanden, worüber Schönebecker Brüder sich unterhalten. Es war ja auch laut im Auto. Von den Fahrgeräuschen. Wir haben dann noch die Pokalauslosung studiert und mehr weiß ich dazu nicht. Bielefeld ist NRW-Liga.

Wir kamen jedenfalls pünktlich um 13.45 Uhr im Spiellokal von Lok Leipzig an, wo weiterhin die Zeit stillsteht. Die anderen (Fahrer des Coupés: Dr.Quist, Beifahrer Robby und auf den Notsitzen Effi und Pavel) waren knapp vor uns angekommen, nachdem ich sie am Vorabend noch überredet hatte, um 12.30 Uhr loszufahren und nicht erst um 12.45 Uhr.

Das Spiel am Samstag

Am Samstag hatte Weuni seinen Gegner sicher im Griff. Zwar stand er nicht konstant besser, aber es war immer eine Weuni-Stellung, in der er sich auskennt und ich hatte immer das Gefühl, dass er das gewinnt. Kurz vorher endete aber noch Robbys Partie mit Remis, er hat ein Remisangebot erst ablehnen dürfen ( ;-) ), aber auch wenn ich danach fand, dass er etwas besser stand, endete es in einer klaren Remisstellung. Michael Görgens hatte eine ziemlich gute Stellung. Dann hat er die Qualle geopfert und nicht nur ich habe gerätselt, warum und wofür. Das Ende vom Lied war nicht so schön. Sven Quist hat die Eröffnung (Holländisch) ehrgeizig mißhandelt, wurde auf der a-Linie etwas eingemacht und musste dann ein schlechtes Springerendspiel (Minusbauer) verwalten. Gelang ihm nicht. Ein Lichtblick war Effi, der zum Sizilianer griff und in einem Maroczy-Aufbau starken Druck erzeugte, seinem Gegner keinerlei Gegenchancen ließ und sicher gewann.

Blieben noch Flash, Pavel und meine Wenigkeit. Pavel hat eine Ivo-Eröffnung [ukrainische Schachschule?!] gespielt, und hatte als Schwarzer bald Ausgleich. Er hat im Doppelturmendspiel munter drauf los gespielt und sich gute Chancen erarbeitet. Letztlich reichten diese nicht. Also Stand von 3:3. Flash hatte eine komplizierte Partie, die ich nicht verstand und nie verstehen werde, und musste ein Turmendpiel (3 gegen 2 Bauern an einem Flügel) mit Minusbauern aushalten, das ich aber mental schon unter Remis registriert hatte. Er wollte dann sofortiges Remis erzwingen und hat dabei ein kleines Schach übersehen. Das wäre Mr.Turmendspiel nicht passiert ;-)

Ich habe daheim in der Datenbank nachgesehen. Das Endspiel ist wohl remis, aber es ist nicht ganz so einfach.

Damit war ich der letzte. Mein Gegner hat sich wohl vorbereitet, denn er hat alles getan, um nicht Trompowsky aufs Brett zu bekommen :-) [Hinweis an das Korrekturprogramm: Mit Trompowsky meine ich keinen Flughafen in Brasilien. Ja, ist aber trotzdem richtig. Hör bitte auf, das zu unterkringeln. Ist doch nicht so wichtig. Ich schalte dich jetzt aus. Merk Dir das! Du bist angeblich lernfähig.]

Ich hatte für Vorbereitung keine rechte Zeit, deswegen wusste ich nur, dass er Königsindisch spielt, bisher allerdings mit einer normalen Zugfolge. Nachdem wir ja im Donnerstagstraining vor einigen Jahren sogar ein klein wenig Sämisch im Königsinder geübt haben, habe ich mich für Sämisch entschlossen. Gibt jedenfalls von mir damit keine Partie in der Megabase und es schadet nicht, wenn sich zukünftige Gegner noch auf ein weiteres System vorbereiten oder verzweifelt aufgeben, sich vorzubereiten :-)

In der Partie bin ich dann den Motiven nach einer Musterpartie von Karpov gefolgt, die wir damals im Donnerstagstraining hatten. (Flash hat sich nicht daran erinnert :-( )

Daher stand ich bald gut, da mein Gegner keinen so guten Motiven folgte und unbedingt meinen König am Damenflügel attackieren wollte, aber der Damenflügel gehört Weiß! [stimmt nicht immer 100%ig, aber !]

Eigentlich könnte meine Partie auch eine Musterpartie werden, wenn ich nicht in gegnerischer(!) Zeitnot (ich hatte überhaupt keine wegen des Vorbildes und habe eigentlich lange nur an unwichtigen Details rumüberlegt) den logischen Partieschluss im 40.Zug verpasst hätte. Aber auch so war die Stellung immer noch gewonnen, obschon es deutlich spannender wurde und ich noch eine Qualle opferte, um den schwarzen König zur Strecke zu bringen. Was macht man nicht alles für die Zuschauer.

Und ich hätte auch gerne weniger über meine Partie geschrieben, aber dann hätte ich mehr auf die anderen Bretter schauen müssen. Oder noch besser, meine Partie wäre ganz unwichtig gewesen, weil wir schon 4,5 Punkte haben.

Somit 4:4.

Fazit des Samstagsspiels: etwas unglücklich 4:4 gegen Coswig gespielt.

Über den Parallelkampf von Rochade kann ich wenig sagen, Mike Stolz und Falk Hoffmeyer waren die Matchwinner, der Rest remisierte, aber insgesamt war es ziemlich umkämpft und nicht soo klar, trotzdem verdienter Sieg für Rochade, die wohl aufgrund meiner Saisonprognose besonders motiviert sind ;-)

Der restliche Abend

Wir (Flash, Robby und ich - die anderen fuhren nach MD) hatten mehrere Wegkarten und eine gute Wegbeschreibung, um zu Willi zu kommen. Wir haben uns trotz allem zu einer kleinen Stadtrundfahrt entschlossen. Wir sind an der Arena und dem Zentralstadion vorbeigefahren. Wir haben das Zentralstadion nicht gesehen. Obwohl ich schon dort war. Irgendwie war mir aufgrund der Stadtrunden die Orientierung abhanden gekommen, so weit ich überhaupt eine hatte. Wir haben die Helmholtzstraße gefunden. In der die Helmholtz-Schule ist. Und ab und zu dort so etwas wie Disco. Jedenfalls drohte jemand, die Polizei holen. War halb so wild.

Hermann von Helmholtz. Deutscher Mediziner, Physiker und [frAnk hat auch recht] Philosoph, der im 19.Jahrhundert lebte. Mit Mathe hatte er weniger am Hut. Schade eigentlich. Helmholtz-Modul oder Helmholtz-Statistik klingt doch so gut wie Helmholtz-Spule oder Helmholtz-Schule.

frAnk hat eine schöne Wohnung. Und serviert zu den obligatorischen Nudeln mit Tomatensoße auch noch leckeren Salat. Und grünen Tee. Da waren wir wohl nicht das letzte Mal. Wir haben noch versucht, uns auf Sonntag vorzubereiten. Vor allem haben wir versucht, Robby auf Hesse vorzubereiten. Wir kamen nicht weit, da wir alle recht müde waren. Und irgendwann haben wir gemerkt, dass die tolle Variante, die Robby gegen Hesse spielen sollte, nicht so ganz funktioniert (nicht nur Lippe, sondern auch "Ljubo" hat wohl etwas geblöfft gegen Ree). Und ich hatte keine besondere Lust, gegen das langweilige Zeug von FM Böhlig zu spielen. Und Flash war auch nicht so ganz mit den Varianten zufrieden - naja, Ausgleich ist es wohl.

frAnk hat auch nachtaktive Meerschweinchen. Wir sind trotzdem eingeschlafen.

Der Sonntagmorgen

Robby ist Brötchen holen gegangen. Nur um die Straßenecke links. Nicht weit. Er kam nicht so bald wieder. Obwohl er vielleicht zur beschriebenen Stelle ging oder eher humpelte. Flash ging als Suchtrupp auf den Weg. Irgendwann kamen sie wieder. Mit Brötchen. Frühstück. Mit Marmelade von der man nicht weiß, was darin verkocht wurde. Man weiß nur, was nicht: Kein Zucker und kein Rhabarber. Hat trotzdem geschmeckt. Auch die homöopathische Dosis Bärlauch, die aber ultrakonzentriert war. Sollte es im deutschen Schach zu einem Bärlauchstreitfall kommen?! Flash, Robby und Willi verzichteten jedenfalls.

Ich habe noch ein wenig versucht, in irgendeinem Reti-System die Feinheiten Kasparovscher Züge zu verstehen, viel konnte mir selbst Flash nicht weiterhelfen. Obwohl Flash mit seinen Varianten nicht so ganz zufrieden war, hat er auf weitere Analysen verzichtet. Ist ja immerhin Ausgleich. Für Robby wussten wir auch keinen weiteren Rat, so dass wir beschlossen haben, dass ich Hesse bekommen sollte. Und so kam es. Nicht dass wir darauf einen Einfluss gehabt hätten.

Aufgrund des ausgiebigen Frühstücks und der Spaziergänge durch Leipzig im Morgengrauen kamen wir erst um 9 Uhr an. Aus dem anderen Auto konnte auch jemand schreiben, so dass die Mannschaftsmeldung pünktlich war.

Das Sonntagsspiel

Am Sonntag lief es bei uns seltsam. Bei Flash war es ein ziemliches Gewürge, ich weiß auch nicht so recht. War doch Ausgleich?! Pavel machte mit FM Böhlig so schnellen Prozess, dass ich zuerst an Remis dachte, als er fertig war. Er lernte an diesem Tag eine neue Wortgruppe kennen: langweilig, sich langweilen, Langeweile.

Einen Bericht wollte er trotzdem nicht schreiben. Ich hätte ihn auch auf russisch angenommen. Aber offensichtlich kennt er Langeweile wirklich nicht.

Ich habe Hesse bekommen. Robby Limpert, also die Vorbereitung [Vorbereitung? Welche Vorbereitung?] eh für die Katz. Robby stand auch ziemlich schnell verdächtig und bald war es zum Ausgleich gekommen. 1:1. Es sah nicht so klar aus: O.K., Effi stand besser [aber ob es zum Sieg reicht?!], Flash naja, könnte halten, ich stand gut, Sven stand naja, könnte aber halten, Michael hätte Zugwiederholung machen können (ich hätte ihm sofort gesagt, er soll, wenn er mich gefragt hätte oder ich es mitbekommen hätte :-( ). So stand er bald seltsam. Willi hat munter gespielt, aber die Zeit wurde auch weniger.

Flash hat dann erst mal Flash-like gewonnen. Dachte ich jedenfalls. Allerdings nachdem sowohl er als auch sein Gegner übersehen haben, dass der Gegner am Ende Dauerschach hätte geben können. Hätte...

Und ich habe weiter vorgelegt, da FM Hesse im 30.Zug in Verluststellung auf Zeit verloren hat, aber das hätte ich an seiner Stelle doch noch irgendwie schnell weitergespielt trotz der zwei Minusbauern. Er wollte wohl der erste sein, der sich dieses Jahr nicht von mir mattsetzen läßt. Und dann noch Effi mit einer superstarken Leistung. 1A. Was soll ich sagen! Hat jetzt wie ich schon mehr Siege als im letzten Jahr! War also 4:1, aber die anderen Stellungen... Michael verlor. Und der Doktor hat, als die Zeit weniger wurde, den Weg zu Ausgleich (oder fast so was, wir haben in der Analyse nichts für Weiß gefunden) verpasst und wurde dann eingeäschert, aber kein Problem, da Willi mit einem Feintuning an Zeiteinteilung mit dem 40.Zug die Zeit schaffte und die Stellung auf einen Schlag entgültig auf der sicheren Seite war. 4,5:3,5, etwas wackelig (Flash, Willi), aber o.k. Erster Sieg und immer noch ungeschlagen. :-)

Ein wenig zum Parallelkampf. Wagi war früh fertig (Drachen), und Pesztericz hatte den Ausgleich zu verantworten. Dazu noch viele, viele Remisen, so dass noch Martin Niering und Mike Stolz spielten, da wir den Gefechtsort verließen. Niering stand mal auf Verlust, als wir gingen, war es wohl remis, und Mike stand sehr gut. Also tippten wir auf 4,5:3,5. War es dann auch. Aber nicht so, wie wir dachten. Niering hat die Partie sogar noch gewonnen! Ein wenig kontrovers war, dass Rochade erst um 9:05 die Mannschaftsmeldung abgab und die meisten erst um 9:12 erschienen. Wie ich verstanden habe, weil sie einen Unfall hatten (nur Sachschaden). Die Coswiger wollten daher, dass von Rochade wegen verspäteter Mannschaftsmeldung diese zusätzlichen 20 Minuten abgezogen werden, aber der Schiedsrichter (Görgens jr.) hat das nicht gemacht. Eine lustige Sache war noch, dass Blumenthal irgendwann angefangen hat, Brett 4 aufzuräumen (Figuren auf die Grundstellung, beide Könige in die Brettmitte), weil gerade niemand am Brett war und er dachte, das sei sein Brett 8, an dem er schon remis gemacht hatte :-)). Niering und mein Gegner vom Vortag wollten weiterspielen.

Somit hat Rochade 6:0 Punkte und ist nur wegen der etwas schlechteren Brettpunkte zweiter hinter Aue (starke Leistung von Rochade!). Offensichtlich reichen ca. 3 Kämpfer in der Mannschaft. Wir haben 4:2 und sind damit zufrieden, vor allem da in den nächsten Spielen mit Aue, Rochade und Dresden die fetten Brocken kommen! Immerhin haben wir letzten Jahr gegen Liebschwitz, Coswig und Leipzig II nur 2:4 Punkte geschafft.

Die Heimfahrt

Wir haben uns nicht verfahren. Und wir haben festgestellt, dass in unserem Auto alle Punkte saßen: Willi (den wir aufgrund seiner starken Leistung noch heimbrachten), Pavel, Effi, Flash und der temporäre ML (provisorisch, solange irgendwelche Typen sich in den Weiten Russlands herumtreiben, obwohl es dort im Winter noch kälter ist). Wir werden daher zum nächsten Auswärtsspiel nur mit einem Auto anreisen.



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Last modified: Mon May 1 05:16:36 2006
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